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Der Aufruf «An die Kulturwelt!»

Das Manifest der 93 und die Anfänge der Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg- 2., erweiterte Auflage mit einem Beitrag von Trude Maurer

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Jürgen von Ungern-Sternberg and Wolfgang von Ungern-Sternberg

Am 4. Oktober 1914 wurde der von 93 führenden Repräsentanten der deutschen Kunst und Wissenschaft unterzeichnete Aufruf «An die Kulturwelt!» veröffentlicht. Er ist sogleich ein Schlüsseldokument geworden, das bis heute jede Untersuchung des «Kriegs der Geister» im Ersten Weltkrieg entscheidend mit prägt. Diese Studie erhellt in einem ersten Teil ebenso seine Entstehung wie die Motive seiner Verfasser und behandelt dann die spätere Auseinandersetzung mit ihm im In- und Ausland während des Krieges und unmittelbar danach. In einem zweiten Teil wird neues Licht auf die Organisation der deutschen Propaganda im Herbst 1914 geworfen. Die ergänzte Neuauflage wird durch die Darstellung der Rezeption des Aufrufs in Russland durch Trude Maurer in einem bisher unbekannten Aspekt wesentlich bereichert.
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III. Der Krieg der Professoren. Russische Antworten auf den deutschen Aufruf An die Kulturwelt (von Trude Maurer)

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III.Der Krieg der Professoren. Russische Antworten auf den deutschen Aufruf An die Kulturwelt!*

von Trude Maurer

Der Aufruf von 93 Gelehrten und Schriftstellern An die Kulturwelt!, der seit Ende September 1914 in Tausenden von Exemplaren auf privatem Weg an ausländische ← 163 | 164 → Kollegen verschickt1 und am 4. Oktober schließlich auch in der deutschen Presse bekannt gemacht wurde, hat damals in verschiedenen Ländern große Aufmerksamkeit gefunden2 und wurde als Beleg der chauvinistischen Gesinnung deutscher Hochschullehrer einerseits und des Zusammenbruchs der internationalen Gelehrtenrepublik andererseits verstanden. Denn obwohl Schriftsteller ihn initiiert hatten, galt er weithin als Stellungnahme der deutschen Professoren.3 Mit einem sechsfachen „Es ist nicht wahr“ wiesen die Unterzeichner die Behauptungen von der Kriegsschuld Deutschlands sowie die Vorwürfe der Mißachtung des Völkerrechts und einer brutalen deutschen Kriegführung zurück, die ihnen als „vergiftete Waffe[n] der Lüge“ erschienen. Dagegen betrachteten sie den Kampf, den Deutschlands Gegner erklärtermaßen gegen den deutschen Militarismus führten, als Kampf gegen die deutsche Kultur. Doch „deutsches Heer und deutsches Volk“ seien „eins“, der deutsche Militarismus sei aus der deutschen Kultur „zu ihrem Schutz“ hervorgegangen. Sie appellierten „Glaubt uns!“ und wollten mit ihrem Namen und mit ihrer Ehre dafür einstehen, daß Deutschland den Kampf „als ein Kulturvolk [zu Ende führe], dem das Vermächtnis eines Goethe, eines Beethoven, eines Kant ebenso heilig ist wie sein Herd und seine Scholle.“4 Nachdem in Frankreich bereits wenige Tage nach Kriegsausbruch von einem „heiligen...

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