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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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3. Ostpreußen in den Grenzen des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918)

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3.   Ostpreußen in den Grenzen des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918)

Der Sieg Preußens im Krieg gegen Frankreich in den Jahren 1870-1871 fiel auf den Höhepunkt der Macht des preußischen Staates; ihm waren Kriegserfolge gegen Dänemark (1864) und Österreich (1866) vorangegangen. Preußen wurden neue Gebietseroberungen (Elsass und Lothringen sowie Nordschleswig) einverleibt. Am 18. Januar 1871 wurde in Versailles unter Führung Preußens das Zweite Reich als gesamtnationaler Staat aller Deutschen ausgerufen. Wilhelm I., König von Preußen, wurde zum Erbkaiser des Deutschen Reiches mit der Hauptstadt Berlin. Das Deutsche Reich wie auch Preußen als dessen Teilstaat entwickelten sich zur europäischen Großmacht, deren Territorium sich von Nimmersatt nördlich von Memel bis nach Metz und Straßburg, von Schottburg in den Dänemark entrissenen Gebieten bis nach Kattowitz, von den Bayerischen Alpen bis nach Stralkowo bei Wreschen in Großpolen erstreckte.

Die große Kontribution, die vom besiegten Frankreich nach dem Krieg 1871 gezahlt wurde, und die intensive Industrialisierung und Urbanisierung im ausgehenden 19. Jahrhundert waren die wichtigsten Faktoren, die zur wirtschaftlichen Entwicklung Ostpreußens, das damals als „deutsche Kolonie in Europa“ bezeichnet wurde, beitrugen. Für die Masuren, Ermländer und Preußisch-Litauer bedeutete dies auch von einem effizienten Staatsapparat geplante, systematisch und in großem Stil durchgeführte Germanisierungsmaßnahmen. Dazu dienten die aufgrund des sog. „Kulturnationalismus“ ergriffenen Schritte, die auf eine radikale Begrenzung des Unterrichts der jeweiligen Muttersprache (Litauisch bzw. Polnisch) zugunsten der Staatssprache (Deutsch)...

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