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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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2. Die Volksabstimmung vom 11. Juli 1920

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2.   Die Volksabstimmung vom 11. Juli 1920

Ausgehend vom Grundsatz der demokratischen Selbstbestimmung, beschlossen die Schöpfer des Versailler Friedensvertrages, in den umstrittenen Grenzgebieten eine Abstimmung durchzuführen, die über die Staatszugehörigkeit des jeweiligen Territoriums entscheiden sollte. Gemäß den Artikeln 94-97 des Vertrages sollte am 11. Juli 1920 in den Regierungsbezirken Allenstein (Ostpreußen) und Marienwerder (Westpreußen) eine Volksabstimmung durchgeführt werden. Diese Entscheidung stieß in Polen auf Kritik, da befürchtet wurde, dass die polnischstämmige Bevölkerung „im Hinblick auf ihre politische und nationale Entwicklung zu solchen Aktionen noch nicht reif“ sei9.

Am 12. Februar 1920 trafen Vertreter der Interalliierten Kommissionen, denen Franzosen, Engländer, Italiener und Japaner angehörten, in Allenstein und Marienwerder ein. Ihnen standen auch kleinere Militärverbände zur Seite, die die Objektivität und Sicherheit der Abstimmung garantieren sollten. Die deutschen Truppen wurden angewiesen, das Abstimmungsgebiet zu verlassen.

Die Volksabstimmung im Ermland und dem Marienburger Land endete mit einer schweren Niederlage Polens. Im Regierungsbezirk Allenstein stimmten für den Anschluss an Polen insgesamt 7 980 Personen (2,16 %), während für die Zugehörigkeit zu Deutschland (Ostpreußen) nicht weniger als 363 209 Stimmen oder 97,84 % abgegeben wurden. Am stärksten sprach sich das Ermland für Polen aus (insgesamt 6 002 Stimmen, davon im Kreis Allenstein 4 902 oder 13,4 %). In Masuren stimmten für den Anschluss an Polen insgesamt 1 878 Personen oder 0,7 % (die...

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