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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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3. Ostpreußen in der Weimarer Republik

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3.   Ostpreußen in der Weimarer Republik

Ostpreußen, das im Jahr 1925 2,256 Mio. Einwohner zählte (was lediglich 3,6 % der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches entsprach, auf einem Gebiet von 7,9 % des Reichsterritoriums), war eine Randprovinz. Dies resultierte sowohl aus der strukturellen wirtschaftlichen Unterentwicklung als auch aus der geopolitischen Lage. Für die schwache wirtschaftliche Entwicklung der Provinz waren nicht zuletzt die großen Zerstörungen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs maßgebend.

Wegen ihrer Insellage wurde die „vom Reich abgeschnürte“ Provinz oftmals als einzige Kolonie, die Deutschland noch verblieben sei, bezeichnet. Ostpreußen grenzte an Polen (auf einer Länge von 608,8 km), an die Freie Stadt Danzig (84,9 km) sowie an das Memelland und Litauen (232,8 km)20. Auch heute besitzt ein Teil des früheren Ostpreußens, d. h. das Kaliningrader Gebiet, Inselcharakter. Diesmal resultiert seine geopolitische Lage nicht allein daraus, dass es von Russland abgeschnitten ist, sondern dass das „EU-Meer“ in Form Polens und Litauens es umgibt.

Mehrere Faktoren waren entscheidend dafür, dass Ostpreußen als „Germanias ärmstes Stiefelkind“ verspottet wurde: die geringe Bevölkerungszahl, die ungünstige Landwirtschaftsstruktur mit einem beachtlichen Anteil von Großagrariern, eine schwach entwickelte Industrie, große Abhängigkeit von Beschaffungs- und Absatzmärkten, was auf unzureichende Verbindungen mit dem nächstgelegenen Hinterland (Polen, baltische Staaten) zurückzuführen war, und das Angewiesensein auf finanzielle Hilfen der Zentralregierung in Berlin21.

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