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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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6. Litauisch-Preußen – das Memelland

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6.   Litauisch-Preußen – das Memelland

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 sind in Europa mehrere neue Staaten entstanden, unter ihnen Litauen und Polen. Sie knüpften große Hoffnungen an die Entscheidungen, die auf der Friedenskonferenz in Versailles getroffen wurden. In der Note vom 24. März und der Denkschrift vom 8. April 1919 an den Präsidenten der Pariser Konferenz forderte die litauische Delegation, das Gebiet Preußisch-Litauens, d. h. die nördlichen Kreise Ostpreußens mit einer Fläche von 6 700 bis 10 000 km2 (400 000-500 000 Bewohner), an Kleinlitauen anzugliedern, das wiederum integraler Bestandteil der Republik Litauen werden sollte. Ihren Anspruch auf diese Gebiete begründete die litauische Seite – ähnlich wie Polen – mit Nationalitätenverhältnissen und wirtschaftlichen Aspekten. Die Litauer vertraten den Standpunkt, in dieser Region lebe eine große litauische Bevölkerungsgruppe116, und für die reibungslose wirtschaftliche Entwicklung des Staates sei wenigstens ein Ostseehafen notwendig; einen solchen gebe es in Memel117. Die litauischen Anstrengungen riefen Gegenmaßnahmen vonseiten Deutschlands hervor118.

Frankreich und Polen zeigten lebhaftes Interesse am Ausgang der Entscheidungen zu Preußisch-Litauen. Beide Länder zielten übereinstimmend auf eine Schwächung Deutschlands ab. Die Polen verlangten unter anderem Zugang zum Ostseehafen Memel, was die Ausfuhr polnischer Waren aus den östlichen Grenzlanden Polens ermöglichen sollte119. ← 85 | 86 →

Artikel 99 des Versailler Vertrages verhandelte das Schicksal der Gegend um Memel, denn nur dieses Gebiet sollte vom nördlichen Ostpreußen abgetrennt werden. Mit der „Internationalisierung...

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