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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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7. Polnisch-Preußen – das Soldauer Gebiet

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7.   Polnisch-Preußen – das Soldauer Gebiet

Kraft des Versailler Vertrages erhielt Polen außerhalb der Volksabstimmung die Stadt Soldau (Działdowo) mit den umliegenden Dörfern152. Bis zum 17. Januar 1920, d. h. dem Tag des Einmarsches polnischer Truppen, bildete dieses Gebiet den südlichen Teil des Kreises Neidenburg153. Der Anschluss an Polen war durch die wichtige Rolle Soldaus als Eisenbahnknoten, der die zentral gelegenen Regionen Polens mit der Ostseeküste verband, bedingt154. Die Nationalitätenproblematik spielte in diesem Fall eine untergeordnete Rolle. Diese Frage sollte generell im Wege der Volksabstimmung gelöst werden.

Der neu errichtete Kreis Soldau, der nun zur Woiwodschaft Pommerellen mit der Hauptstadt Thorn gehörte, war 491,77 km2 groß und umfasste die Stadt Soldau, in der im Jahr 1921 3 568 Einwohner lebten (1910: 4 728), sowie 43 Landgemeinden und 21 Gutsbezirke155. Im April 1932 wurde das Kreisgebiet erweitert, indem Teile der pommerellischen Kreise Strasburg und Löbau mit der Stadt Lautenburg angegliedert wurden. Diese Gebiete hatten 1918 noch zu Westpreußen gehört. Der neue Kreis Soldau war 858,19 km2 groß156. Im April 1938 wurde der Kreis an die Woiwodschaft Warschau angegliedert. ← 95 | 96 →

Der Einverleibung des Soldauer Gebiets durch Polen gingen zahlreiche Proteste der einheimischen Bevölkerung voraus. Ihr erster Kontakt mit den Truppen unter General Haller, die Soldau übernommen hatten, rief zahlreiche Konflikte und gegenseitiges Misstrauen hervor. Dies resultierte hauptsächlich aus der Unkenntnis der komplizierten Nationalitätenproblematik in dieser Region unter den...

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