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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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1. Das Memelland (Klaipėdos Kraštas) in den Grenzen des Mutterlandes

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Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete für Ostpreußen den Untergang und Zerfall der bisherigen sozialen Ordnung. Die bisherige Kontinuität, die eine staatliche, territoriale, nationale, wirtschaftliche, politische, historische, kulturelle und zivilisatorische war, riss nach Jahrhunderten ab. Das zusammenhängende Gebiet entfiel auf drei Staaten, nämlich Litauen, Russland (Sowjetunion) und Polen, die sich nach Größe, Wirtschaftspotential, historischer Tradition und ihrem Verhältnis zu diesem Land unterschieden. Entscheidend für die Herausbildung der lokalen und regionalen Identität der neuen Bewohner Ostpreußens waren der Besiedlungsverlauf, die nationale Zusammensetzung, die Politik der zentralen und regionalen Behörden, die Bedeutung dieser Gebiete für die Nationalmythologie sowie das Verhältnis zur Vergangenheit und insbesondere zum deutschen Kulturerbe.

1.   Das Memelland (Klaipėdos Kraštas) in den Grenzen des Mutterlandes

Das Jahr 1945 markiert eine „Stunde Null“, den Beginn einer neuen Epoche für das der Vergangenheit anheim fallende Land namens Ostpreußen. Die neuen Einwohner des Memellandes (auch Kleinlitauen genannt), des Königsberger/Kaliningrader Gebiets sowie des Ermlands und Masurens waren mit einer neuen und fremden Realität konfrontiert. Die bisherigen Einwohner konnten nicht viel mit ihr anfangen und kamen sich darin gleichermaßen fremd vor, degradiert zu Menschen zweiter oder dritter Klasse und, was häufig vorkam, jeglicher Rechte beraubt. Sie waren zur „Vernichtung bestimmt“ – so wie Zehntausende Häftlinge der Konzentrationslager, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Polen und anderen Ländern, die 1939-1945 in Ostpreußen die Grundlagen für das tausendjährige Dritte Reich...

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