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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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3. Von Ostpreußen zu Ermland und Masuren

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3.   Von Ostpreußen zu Ermland und Masuren

Für Polen war Ostpreußens Zukunft im Hinblick auf seine staatlichen und nationalen Interessen von essentieller Bedeutung147. Nach der Niederlage im September 1939 begannen die staatlichen Organe (im Inland und im Exil) mit der Ausarbeitung eines Konzepts zur Einbettung Polens in die künftige Neuordnung Europas. Bereits in der Sitzung des Ministerrates der Republik Polen am 10. Oktober 1939 führte General Władysław Sikorski während einer Aussprache über die polnischen Kriegsziele aus, es sei „notwendig, nicht nur die Deutschen zu zerschlagen, sondern auch in Zentraleuropa ein Machtzentrum mit Polen an der Spitze zu schaffen, das ein Gegengewicht zu Deutschland und zu Russland bilden könnte“148.

3.1.   „Polnische Anrechte“ auf Ostpreußen

Die vielfältigen polnischen Auffassungen vom künftigen Schicksal Ostpreußens änderten sich je nach der politischen und militärischen Lage während des Zweiten Weltkriegs und basierten zunächst auf der Überzeugung, diese deutsche Provinz müsse beseitigt werden, hauptsächlich um der künftigen Sicherheit des polnischen Staates willen. Ein Entwurf neuer Staatsgrenzen, der im Oktober 1940 vom Büro für Politische, Wirtschaftliche und Soziale Arbeiten (bei der polnischen Exilregierung) ausgearbeitet wurde, beruhte auf dem Bestreben, die alten Ostgrenzen zu behalten und Neuerwerbungen im Westen und Norden zu erlangen, die man für unerlässlich hielt. Ostpreußen sollte demnach Polen einverleibt werden, ausgenommen die nördlichen Landstriche (Tilsit, Memel), die an Litauen fallen sollten. Diese L...

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