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Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

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Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
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1. Kleinlitauen in den Grenzen des sozialistischen Vaterlandes

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Nach dem Auslaufen der turbulenten Migrationsperiode der Jahre 1945-1950 im früheren Ostpreußen begann die langsame „Aneignung“ des fremden Kulturraums und das Wurzelnschlagen der neuen Bewohner. Die Dynamik dieser Prozesse war in den drei Teilen der historischen Region, die 1945 bestehen aufgehört hatte, sehr unterschiedlich und von entscheidender Faktoren abhängig. Von wesentlicher Bedeutung waren dabei die Politik der Zentral- und Regionalbehörden, der Migrationsverlauf, die nationale Zusammensetzung der Bevölkerung sowie die Stellung dieser Gebiete in der Nationalmythologie.

1950 lebten im Gebiet des früheren Ostpreußens insgesamt 1,3 Millionen Menschen (gegenüber 2,5 Millionen im Jahr 1939). Im Memelland lebten knapp 100 000 Personen (darunter etwa 15 000 Alteinwohner). Im Kaliningrader Gebiet gab es nach Deportationen und Aussiedlungen keine früheren Bewohner mehr. Zu Beginn der fünfziger Jahre lebten hier etwa 520 000 Menschen, in Ermland und Masuren waren es 680 000, davon etwa 120 000 Alteingesessene (17,5 %). Dieser Anteil war hier im gesamten früheren Ostpreußen am höchsten.

1.   Kleinlitauen in den Grenzen des sozialistischen Vaterlandes

Für die Litauer, die, ihres souveränen Staates beraubt, nun in den Grenzen der Sowjetunion lebten, stellte der Anschluss Kleinlitauens und der Region Wilna eine gewisse „Wiedergutmachung“ dar; sie empfanden ihn als Gerechtigkeit der Geschichte. Litauer, Russen und Polen haben eine unterschiedliche Einstellung zur Kulturregion des ehemaligen Ostpreußens. Im Falle der Litauer und Polen kann man von einer Mythologisierung sprechen. Diese basierte auf bestimmten...

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