Show Less
Restricted access

Von Memel bis Allenstein

Die heutigen Bewohner des ehemaligen Ostpreußens: Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren

Series:

Andrzej Sakson

Der Autor zeigt den Verlauf der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse in den Regionen Memelland, Kaliningrader Gebiet, Ermland und Masuren nach 1945 auf. Er vergleicht ihre jeweiligen Entwicklungen kritisch miteinander und rekurriert dabei auf die Nationalbildungsprozesse im späten 19. Jahrhundert sowie die Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Analysen stützen sich auf eigene soziologische Feldforschung. Zahlreiche Interviews, direkte und indirekte Beobachtungen sowie quantitative Untersuchungen wurden durch Archivstudien und durch die Auswertung von amtlichen Dokumenten, Memoiren, Fachliteratur sowie Presseezeugnissen ergänzt.
Show Summary Details
Restricted access

3. Ermland und Masuren – sozialer und wirtschaftlicher Wandel

Extract

3.   Ermland und Masuren – sozialer und wirtschaftlicher Wandel

3.1.   Stalinisierung (1949-1955)

Die 1948-1949 in Polen eingeleitete Stalinisierung des politischen Lebens hatte wesentlichen Einfluss auf den Verlauf gesellschaftlicher Prozesse in Ermland und Masuren. Im Rahmen des Kampfes gegen die „rechtsnationalistische Abweichung“ innerhalb der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP), gegründet auf einem „Vereinigungskongress“ (15.-21. Dezember 1948), ging man nicht nur an den massenhaften Austausch der Parteikader, sondern auch an die Zentralisierung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Im Januar 1948 wurde das von Władysław Gomułka geleitete Ministerium für die Wiedergewonnenen Gebiete aufgelöst.

Es begann die Umsetzung der neuen „stalinistischen Nationalitätenpolitik“. In Ermland und Masuren lag ihr Schwerpunkt auf der Lösung zweier grundlegender Probleme. Das erste war der Abschluss der nationalen Verifizierung der restlichen Deutschen, Masuren und Ermländer mit den daraus erwachsenden Folgen. Das zweite war das „ukrainische Problem“. Weniger Aufmerksamkeit wurde Zigeunern (Roma) und anderen Nationalitäten geschenkt.

Mit dem Anbruch der fünfziger Jahre endet die Etappe verstärkter Migrationsbewegungen in den polnischen West- und Nordgebieten. Die administrativen Beschränkungen sowie die restriktive, für totalitäre Staaten so kennzeichnende Innenpolitik der Sicherheitsorgane gegenüber der gesamten Einwohnerschaft, machten es der Bevölkerung unmöglich, außer Landes zu gehen, und ließen die innerstaatlichen Wanderungsbewegungen stark schrumpfen. Im Ergebnis dieser Politik hat sich in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre eine bestimmte Bevölkerungsstruktur herausgebildet. Sie bildete ungeachtet späterer Änderungen (Ab- und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.