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Das Duale System der Berufsausbildung als Leitmodell

Struktur, Organisation und Perspektiven der Entwicklung und europäische Einflüsse

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Georg Spöttl

Der Autor untersucht das kontrovers diskutierte Thema des bundesdeutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Zum einen erscheint das System unverzichtbar, um dem drohenden Mangel an Fachkräften in der Wirtschaft zu begegnen, zum anderen wird jedoch die duale Berufsausbildung von der anhaltenden Akademisierungswelle mehr und mehr zurückgedrängt. Zusätzlich scheint die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiterhin nachzulassen, während sich alternative Formen der Erstausbildung entwickelt haben, die zum Teil in der Berufsvorbereitung zu einer internen Konkurrenz verschiedener Systemansätze geführt haben. Schließlich gilt es, vorgegebenen Maßnahmen der Europäisierung zu folgen, die sich nicht in allen Belangen als stützend für das Duale System erweisen.
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2 Entwicklung des Dualen Systems als Grundstruktur der deutschen Berufsbildung

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2   Entwicklung des Dualen Systems als Grundstruktur der deutschen Berufsbildung

2.1    Beruf, Berufung und Beruflichkeit als traditionelle Basis der Berufsausbildung

Der Beruf hat in seiner begrifflichen Auslegung und Bedeutung eine lange Tradition. Sein Ursprung liegt im späten Mittelalter und war sowohl Folge technischer Sachzwänge bzw. gesellschaftlich notwendiger Arbeitsteilungen, als auch gesellschaftlicher, ökonomischer und politisch-sozialer Konstellationen und Differenzierungen (vgl. Kell 2006a, S. 454; Schanz 2010, S. 16). Schon in dieser Epoche war der Beruf Ausdruck und Konstrukt beruflicher Arbeitsteilung bzw. von Tätigkeiten in den handwerklichen Zünften und kaufmännischen Gilden und gleichzeitig Basis für die handwerkliche und kaufmännische (Berufs-)Erziehung. Im Zeitalter der Reformation und der damit verbundenen Säkularisierung vieler berufsbildender Erziehungsstätten hat Luther die berufliche Tätigkeit bzw. den Beruf als „Ruf Gottes zur Dienstbereitschaft in der Gesellschaft und zur christlichen Lebensführung“ vorgeschrieben. Diese tätigkeitsverbundene „Berufung“ war danach lange Zeit ein bestimmendes Merkmal beruflicher bzw. zünftiger und kaufmännischer Tätigkeiten. Zudem waren berufliche Tätigkeiten im Mittelalter eng mit dem Stand, der diese Tätigkeiten vertrat bzw. der jeweiligen sozialen Gruppierung (Zünfte, Gilden, Hanse) verbunden. Auf Grund dieser Beziehungen und Abhängigkeiten ist in der mittelalterlichen Berufsarbeit der Berufsbegriff im Sinne einer beruflichen Qualifikation und Berufung (lat. „vocatio“) im Sinne einer Standesbestimmung verstanden worden. Der Begriff „Berufung“ und dessen Anspruch haben heute für die Berufe des Dualen Systems kaum noch Bedeutung, wenngleich wir weiterhin eine Diskussion zum Berufsgedanken und seinen Implikationen beobachten...

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