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Das Duale System der Berufsausbildung als Leitmodell

Struktur, Organisation und Perspektiven der Entwicklung und europäische Einflüsse

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Georg Spöttl

Der Autor untersucht das kontrovers diskutierte Thema des bundesdeutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Zum einen erscheint das System unverzichtbar, um dem drohenden Mangel an Fachkräften in der Wirtschaft zu begegnen, zum anderen wird jedoch die duale Berufsausbildung von der anhaltenden Akademisierungswelle mehr und mehr zurückgedrängt. Zusätzlich scheint die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiterhin nachzulassen, während sich alternative Formen der Erstausbildung entwickelt haben, die zum Teil in der Berufsvorbereitung zu einer internen Konkurrenz verschiedener Systemansätze geführt haben. Schließlich gilt es, vorgegebenen Maßnahmen der Europäisierung zu folgen, die sich nicht in allen Belangen als stützend für das Duale System erweisen.
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3 Rahmenbedingungen der beruflichen Erstausbildung im Dualen System

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3   Rahmenbedingungen der beruflichen Erstausbildung im Dualen System

3.1    Struktur und Organisation des Dualen Systems

Es ist wenig hilfreich, rein theoretische Überlegungen zur Verfassung der Berufsbildung anzustellen. Die Rahmenbedingungen vor allem der beruflichen Erstausbildung haben sich in einem komplexen historischen Prozess herausgebildet und nur über das Verstehen dieses Prozesses werden die Möglichkeiten von Reformintentionen deutlich. Hier soll vorab die Struktur und Organisation des Dualen Systems nachgezeichnet werden, bevor auf die übergeordneten rechtlichen Rahmenbedingungen eingegangen wird. Damit wird sich der rechtliche und organisatorisch-strukturelle Rahmen abzeichnen, der für die Gestaltung der Berufsbildung zur Verfügung steht.

Auf die Entstehungsgeschichte des Dualen Systems der Berufsausbildung ist in der Einleitung schon kurz eingegangen worden. Es ist aus europäischer und sogar internationaler Perspektive gesehen ein berufsbildungspolitisches Modell, das sich in dieser Formalisierung nur in den deutschsprachigen Ländern Europas etabliert hat. Seine Wurzeln liegen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als der neu gegründete preußisch dominierte Nationalstaat seine Mitgestaltungsinteressen an der Organisation der Berufsausbildung bekundete und durchsetzte. Der Terminus „Duales System“ wurde für das (west-)deutsche Berufsbildungswesen allerdings erst Mitte der 1960er Jahre erstmals 1964 in einem Gutachten des Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen eingeführt. Der Deutsche Ausschuss sprach von einem „System der gleichzeitigen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule“ (Deutscher Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen 1965, S. 57).8 Im Berufsbildungsgesetz von 1969 wurde dieser Definition des Terminus „Duales System“ ein rechtlicher Rahmen für das (west-)...

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