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Literarische Topographien in Ostmitteleuropa bis 1945

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Elzbieta Nowikiewicz

Der Band versammelt Aufsätze, die sich unter verschiedenen Gesichtspunkten mit ostmitteleuropäischen literarischen Räumen, Orten und ihrer Topographie beschäftigen. Die AutorInnen diskutieren unterschiedliche Ansätze einer sichtbaren Welt, des Räumlich-Erfahrbaren mit topographischer Akzentuierung, wobei geographische Referenzräume besondere Berücksichtigung finden. Es handelt sich um Bezüge zu Räumen, Orten und Landschaften im Leben und Werk verschiedener SchriftstellerInnen. Die Sammelmonographie setzt sich darüber hinaus die literarische Wiederentdeckung Ostmitteleuropas zum Ziel. Ostmitteleuropa wird einer erneuten Lektüre unterzogen, wobei die Fragen, wie die einzelnen Autoren den Text des Raumes lesen und wie sie mit dem ostmitteleuropäischen Raum umgehen, eine zentrale Bedeutung erfahren. Es wird auch nach den Raumfunktionen in Texten gefragt. Die Perspektive des Raumes determiniert demzufolge die Herangehensweise und den Umgang mit literarischen Texten.
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Prag und Wien aus der Zwergenperspektive. Rilkes König Bohusch und Canettis Blendung im topographischen Diskurs

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Rafał Pokrywka (Bydgoszcz)

Gebraucht und missbraucht in hunderten von fantastischen Werken, kanonisiert durch Tolkien und seine Nachfolger, versehen mit dem unverwischbaren Brandmal der Geldgier, konnotiert als Bewohner der Unterwelt, Monster der Dunkelheit – die Zwerge sind in der Massenkultur Träger klar bestimmter Bedeutungen. Im philologischen Diskurs dagegen fungieren sie entweder als Relikte aus den ältesten Literaturen oder als deren neueste Wiederkehr–Gestalten – Kleinwüchsige, Liliputaner, Verkörperungen des Unansehnlichen, Figurationen des Unterbewusstseins, Wesen des moralischen Halbdunkels. Ob sie nun bei Grass (Die Blechtrommel) eine gesellschaftskritische Funktion innehaben oder, wie bei Urs Widmer ( Ein Leben als Zwerg), Auswüchse der etwas kindischen Sehnsucht nach dem Versteck in einer bis aufs Nötigste verschrumpften Puppenwelt sind, die Zwerge bleiben „Sekundärprodukte“ der sich selbst endlos antreibenden literarischen Motivverarbeitung, entmythologisierte Skurrilitäten, deren Rolle ist, etwas anderes zu schildern als sich selbst.

Gerechtfertigt seien jegliche Zweifel: die Bücher von Grass und Widmer, außer dass sie ein hohes Interpretationspotential aufweisen (jedes auf seine Art, im Rahmen des entsprechend ausgebildeten und auf bestimmte Konventionen gewöhnten Zielpublikums), sind freilich gerade durch ihre komischen Helden mit all ihren Abenteuern und Schicksalswendungen unterhaltsam. Da die Gestalten jedoch vom herkömmlichen religiösen und kultischen Nährboden enterbt sind, aus ihrem natürlichen Milieu ausgestoßen, unter Menschen geraten und von Menschen verurteilt, werden ganz neue Perspektiven geliefert. Sind dies fruchtbare Aussichten? Der Zwerg der Großstadt und der des Dachbodens werden zu Parasiten der Groß- und Kleingeschichte der...

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