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Ungeduld der Erkenntnis

Eine klischeewidrige Festschrift für Hubert Orłowski

Edited By Wlodzimierz Bialik, Czeslaw Karolak and Maria Wojtczak

Der Sammelband stellt eine Festschrift zum 77. Geburtstag von Professor Hubert Orłowski, dem namhaften polnischen Germanisten dar und setzt sich aus Beiträgen seiner Freunde und Schüler zusammen. Die Festschrift präsentiert ein breites, mit den Forschungsschwerpunkten des Jubilars korrespondierendes Spektrum der Themenschwerpunkte. Sie beziehen sich – unter anderem – auf historische Fremdbild- und Stereotypenforschung, auf exemplarische Fragen und implizit vergleichende Analysen zur deutschen und polnischen Exilliteratur und Kultur im Schatten der NS-Ideologie sowie zu topographisch akzentuierter Erinnerungskultur in vergleichender deutsch-polnischer Perspektive.
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Korrespondenzen und Divergenzen Karl Dedecius und „seine“ Autoren: Andreas Lawaty

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Ziemlich regelmäßig, jeweils zur Buchmesse in Frankfurt am Main, pflegte Dedecius zu sagen, er gehe da nicht gerne hin. Er habe ein erotisches Verhältnis zum Buch und das vieltausendfache Auftreten der Bücher auf einer Messe wäre einer solchen intimen Beziehung nicht förderlich. Das sagt ein Übersetzer, der wie kaum ein anderer zur stetigen Vermehrung der Zahl veröffentlichter Bücher beigetragen hat. Die Spannung zwischen Individuum und Masse sowie der Wunsch, den Blick auf das Ganze zu behalten und dem einzelnen Dichter, dem unverwechselbaren Gedicht gerecht zu werden, blieben für Dedecius eine menschliche und eine poetische Herausforderung.1

Der aus dem russländischen, deutschbaltisch-lettisch-jüdischen Riga stammende britische Philosoph Isaiah Berlin (1909-1997) ordnete die intellektuell aktiven Menschen, einer Fabel von Archilochos folgend, zwei Charaktertypen zu. Die Typen definierte er in seinem Essay mit dem Titel „Der Igel und der Fuchs“ mit dem Satz: „Der Fuchs weiß viele Dinge, aber der Igel weiß eine große Sache“. Gemäß dieser Definition war ihm Dante ein Igel, Shakespeare aber ein Fuchs; Platon und Pascal, jeweils einer großen Sache nachjagend, waren Igel, Aristoteles und Erasmus, liberaler und allem aufgeschlossen, dagegen Füchse. Wollte man dieses Bild auf Karl Dedecius anwenden, dann müsste man wohl zu dem Schluss kommen, dass dieser Igel der polnischen Literatur den polnischen Literaten wie ein Fuchs vorkommen musste. Die polnische Literatur, insbesondere die des 20., also „seines“ Jahrhunderts, ist die „große Sache“ von Dedecius geworden, und die polnische Poesie, seine...

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