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Islamisch-politische Denker

Eine Einführung in die islamisch-politische Ideengeschichte

Farid Hafez

Das Buch präsentiert einen Abriss der Ideengeschichte des islamisch-politischen Denkens von al-Farabi über Ibn Khaldun und Ibn Taymiyya bis hin zu al-Afghani, Hasan al-Banna, Muhammad Asad, Khomeini, Nasr Hamid Abu Zaid, Yusuf al-Qaradawi und Elijah Muhammad. Das Werk arbeitet die Vielschichtigkeit des politischen Denkens im islamischen Bezugsraum heraus und zeigt auf, wie das intellektuelle, soziale und politische Umfeld das jeweilige Denken der einzelnen Persönlichkeiten prägte und wie damit ein Wandel zentraler Begriffe einherging. Der Autor führt in das Leben und Wirken von knapp 20 Persönlichkeiten ein und stellt dabei zentrale Begriffe vor, die das jeweilige Denken prägen. Die Verwendung von Originaltexten bietet hierbei einen authentischen Einblick.
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Kapitel 15 – Qaraḍāwī

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Gäbe es das Amt des Papstes im Islam, so käme der ägyptische Gelehrte Yūsuf al-Qaraḍāwī am ehesten dafür in Frage.

Bettina Gräf (Gräf 2006, 109)

Leben und Werk

Yūsuf al-Qaraḍāwī ist einer der populärsten global agierenden islamischen Gelehrten unserer Zeit (Qadhi 2013, 444) und in diesem Buch der einzige noch lebende Denker. Bettina Gräf, die für den englischen und deutschen Sprachraum neben Krämer (2006) und Wenzel-Teuber (2005) wohl zu den profundesten KennerInnen Qaraḍāwīs gehört, erwähnt drei Sozialisationsorte, deren Berücksichtigung zu einem besseren Verständnis von Qaraḍāwīs Textproduktionen hilfreich ist; die Azhar-Universität, die Muslimbruderschaft und Katar. Qaraḍāwī wurde 1926 in Ägypten in einem kleinen Dorf im Westen geboren. Mit zehn Jahren memorisiert er bereits den qur’ān, besuchte von 1940 an ein Azhar-Institut in Tanta und dann ab 1949 die Azhar-Universität in Kairo, wo er Theologie, arabische Sprache und Literatur studierte. Vor 1952 beteiligte er sich an Demonstrationen gegen die Engländer und setzte sich für Reformen an der Azhar-Universität ein, wie etwa für eine Einführung der englischen Sprache und Zulassung von Studentinnen. Qaraḍāwī, der von 1954 an für zwei Jahre als Muslimbruder inhaftiert wurde, löste sich von seinem Aktivismus ab 1956, wobei er der Muslimbruderschaft ideell weiterhin verbunden blieb. Aufgrund seines ursprünglichen Engagements bei der Muslimbruderschaft wurde ihm das Predigen in...

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