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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Von Pferdehändlern und Rebellen oder Die Freiheit des Einzelnen. Historisierende Fiktionen in Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas und Samuel Zborowski von Jarosław Marek Rymkiewicz

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Janusz Golec

1540 wird der Geschäftsmann und Rebell Hans Kohlhase zum Tode verurteilt und auf dem Rabenstein in der Nähe des Georgentores (heute Straußberger Platz) in Berlin gerädert. Michael Kohlhaas, die Titelfigur der Erzählung Heinrich von Kleists, stirbt einen edleren Tod: Er wird auf dem Schafott mit dem Beil eines Scharfrichters enthauptet, seine Leiche wird „unter einer allgemeinen Klage des Volkes in einen Sarg“1 gelegt. Klaus Müller-Salget ist der Meinung, dass es dem Dichter Kleist in seiner Erzählung, im Gegensatz zum Bericht über die Taten und Untaten des Hans Kohlhase,

um eine entschiedene Aufwertung dieses ‚Selbsthelfers‘ gegangen ist. Das beginnt schon bei der leichten Veränderung des Familiennamens und mit dem Ersatz des Allerweltsnamens Hans durch Michael; was es der Kleistschen Figur erleichtert, sich auf dem Höhepunkt der kriegerischen Verwicklungen zum ‚Statthalter Michaels, des Erzengels‘ zu stilisieren.2

Kohlhaas ist bei Kleist Pferdehändler, dessen Existenz, aber auch Würde als Mensch durch die Misshandlung der als Pfand zurückgelassenen und im Felde verwendeten und fast verelendeten Rappen bedroht ist. In Kleists Werk geht es vordergründig um die Verantwortung der Obrigkeit gegenüber ihren Untergebenen, die mit den gesetzwidrigen Handlungen der staatlichen Behörden und schließlich auch mit der Rebellion der Titelfigur konfrontiert wird. Johannes Süßmann, der ‚die Poetik der historisierenden Fiktion‘ in Kohlhaas untersucht hat3, stellt fest, dass keine andere Erzählung außer derjenigen Heinrich von Kleists als Geschichtsdarstellung...

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