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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Dekonstruktion des Schweigens und (Re-)Historisierung der Familiengeschichte in Julia Francks Roman Die Mittagsfrau

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Paweł Zarychta

Einer der durch Watzlawick, Beavin und Jackson formulierten und in der Sprachwissenschaft anerkannten Grundsätze, bzw. Axiome der Kommunikation lautet, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Dieses Axiom wird auf verbale und nonverbale Kommunikationsakte, paradoxerweise aber auch auf das Schweigen angewendet: „Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle Mitteilungscharakter: Sie beeinflussen andere, und diese anderen können ihrerseits wieder nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren selbst“ – erklären die genannten Forscher.1 Schweigen wird damit zwar zu einem Phänomen, das auf Nichtexistenz, auf Nichtvorhandensein, Nichtstun und Ellipsen beruht, es bleibt aber weiterhin elementar mit Reden verbunden und hat einen nachweisbaren Mitteilungscharakter. Das Verschwiegene und das Ausgesprochene bedingen und ergänzen sich gegenseitig, indem sie jeweils ihre eigene Semantik entwickeln. Mit Stefan Krammer kann man feststellen: „Wer schweigt oder verstummt, […] hört zwar auf, sprachlich zu kommunizieren, nicht aber nonverbal. Seine visuelle Präsenz übermittelt ständig nonverbale Informationen, die sich nicht wie akustische Informationen einfach abstellen lassen.“2 Das Schweigen kann dabei vom Sender planmäßig konstruiert und bewusst in die Kommunikation mit eingebunden werden. Als konstitutives Element zwischenmenschlicher Kommunikation gewinnt es vor dem Ko- und Kontext des Gesagten an Bedeutung, wird semantisch und erhält dadurch eine pragmatische Dimension. Es hat also ähnliche Funktionen wie die Rede selbst, es wird signifikant3 und als solches fordert es vom Empfänger auch Decodierung bzw. Interpretation. Da sich jedoch das Schweigen, wie Krammer weiter treffend bemerkt, „nicht innerhalb eines dechifrierbaren Systems äußert,...

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