Show Less
Restricted access

Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

Series:

Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
Show Summary Details
Restricted access

Belletrisierte Geschichte laut Protokoll. Manfred Frankes Mordverläufe

Extract



Marek Dziuba

Im Jahre 2000 erschien in Polen das Buch Sąsiedzi von Jan Tomasz Gross.1 Es löste eine heftige Kontroverse aus, denn es behandelte ein bis dahin tabuisiertes Thema: die Reaktion der Polen auf die Judenvernichtung in einem kleinen Städtchen im deutsch besetzten Polen im Jahre 1941. Diesem Buch folgten weitere Publikationen von Jan Tomasz Gross2, Anna Bikont3 u.a.m. Das Thema war generell das Verhältnis der Polen zu ihren jüdischen Nachbarn in der polnischen Provinz in der Zeit der deutschen Besatzung und nach 1945. Die Form dieser Bücher kann als belletrisierte Geschichtsschreibung bezeichnet werden und sie hat offenbar ihre Wirkung nicht verfehlt.

Bei der Suche nach vergleichbaren Texten deutscher Autoren stößt man u. a. auf ein Buch von Manfred Franke aus dem Jahre 1973. Einige biographische Angaben über den Autor sollen der Analyse vorausgeschickt werden. Manfred Franke, 1930 in Haan im Rheinland geboren und in der rheinischen Kleinstadt Hilden aufgewachsen, ist durch die Erzählung Ein Leben auf Probe (1967) und den Roman Bis der Feind kommt (1970) sowie durch seine Herausgebertätigkeit, Rundfunkarbeiten und Essays bekannt. Sein Buch Mordverläufe, 1973 bei Luchterhand erschienen, wird als Roman definiert, zugleich jedoch als „Ein Protokoll von der Angst, von Misshandlung und Tod, vom Auffinden der Spuren und deren Wiederentdeckung“ ausgewiesen.4

In einer Kurzrezension auf der Webseite des Rotbuchverlages, der dieses Buch neu verlegte, liest man: ← 121 | 122 →

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.