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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Zeugnisse in Bild und Schrift. Boris Kobe und Anton Jež erinnern sich an den Stollen von Überlingen

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Renata Behrendt

Am 10.04.2012 wurde der vermutlich letzte Überlebende des KZ Überlingen, Anton Jež, mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der deutsche Botschafter in Ljubljana, Werner Burkart, betonte in seiner Verleihungsrede die Verdienste des 86-Jährigen für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Slowenien. Jež besuchte Überlingen 1995 zum ersten Mal nach Kriegsende. „Hier habe er mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit begonnen und damit, sie als Mahnmal für nachfolgende Generationen zu vermitteln.“1 Im Jahre 2001 schrieb er seine Erinnerungen an die Zwangsarbeit am Bodensee und an die Begegnung mit dem Architekten Boris Kobe auf. In seinem nachgezeichneten Tagebuch, das er Pot trpkih spominov – ‚Via Dolorosa‘ – Bitterer Weg – Erinnerungen an drei Konzentrationslager KZ Dachau – KZ Überlingen – KZ Allach2 betitelt hat, spielen die von Kobe in KZ Allach gezeichneten Tarock-Karten eine besondere Rolle. Sie fungieren einerseits als Medium für Jež’ Erinnerungen, andererseits als direkte bildhafte Ergänzung seiner Erinnerungsinhalte. Der unmittelbar nach der Befreiung im KZ Allach entstandene Lager-Tarock bezeugt das Geschehene aus einer anderen Zeitperspektive als Jež’ sechzig Jahre später geschriebenes Tagebuch. In den hier vorliegenden, in Bild und Wort gefassten Zeugnissen der beiden Slowenen wird verdeutlicht, dass für die Häftlinge und Zwangsarbeiter der Krieg 1945 nicht vergangen ist. Anton Jež sagt 2001 über die Karten: „Geschichtlich gesehen ‚sagen sie uns‘ viel aus über die nahe Vergangenheit.“ (A 3585, S. 3)3 Mit diesen Worten bringt Jež zum Ausdruck, dass die KZ-Erfahrungen im...

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