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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Zwischen Zeitgeschichte und Alltag. Das Schaffen von Uwe Timm

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Jolanta Pacyniak

Der Alltag als Forschungsobjekt rückte erst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ins Zentrum des Forschungsinteresses.1 Etwa zu dieser Zeit wird der Begriff der Alltagsgeschichte konstruiert. Die Alltagsgeschichte soll die traditionelle Geschichtsschreibung ersetzen, die sich an historischen Ereignissen und exponierten, berühmten Einzelpersönlichkeiten orientiert. Die Alltags- oder Privatgeschichte basiert dagegen auf mündlichen Aussagen und Selbstzeugnissen. In den fünfziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts etabliert sich eine Mentalitätsgeschichte, die die konkrete Lebensrealität bestimmter Gruppen unter die Lupe nimmt und unterschiedliche Themen wie die Geschichte der Kindheit, des Todes, der Krankheit, der Familie oder der Frauen erforscht.2 Eine ähnliche Wende vollzieht sich in den Sozialwissenschaften und in der Philosophie. Ihre Hochkonjunktur erlebt die Alltagsforschung in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts.3

Nach Alfred Schütz besteht Alltag aus „materiellen Gegenständen und Ereignissen [… und jenen] Sinnschichten, welche Naturdinge in Kulturobjekte, menschliche Körper in Mitmenschen und der Mitmenschen Bewegungen in Handlungen, Gesten und Mitteilungen verwandeln.“4 Interessant in diesem Kontext könnte der Ansatz des französischen Philosophen Merleau-Ponty sein, der seinen Erfahrungsbegriff aus dem alltäglichen Leben herleitet. Die Erfahrung sei selbst ambivalent und veränderlich und historische, soziale, kulturelle und geschlechtspezifische menschliche Erfahrungen seien nicht an sich vorhanden, sondern diskursiv konstruiert. Von Bedeutung wären nach Merleau-Ponty solche Schnittstellen innerhalb der Alltagsthematik wie: Alltag und Körper, Alltag und Geschichte, Alltag und das Unbewusste, das Phänomen der Alltäglichkeit im Verhältnis des Subjekts...

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