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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Heimat oder Heimatmuseum? Die DDR im Schaffen der Zonenkinder

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Joanna Jabłkowska

Die Fülle der sogenannten ‚Wendeliteratur‘ weist darauf hin, dass die Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik noch nicht als abgeschlossen gelten kann, was die umfangreiche Forschungsliteratur ebenfalls bestätigt.1 Das Schaffen der jungen Generation, derjenigen Autorinnen und Autoren, die die ‚Wende‘ als grössere Kinder oder Jugendliche erlebten, dokumentiert eine Identitätssuche, in der Kindheitserinnerungen eine konstituierende Funktion haben, wie Hannes Krauss dies nachweist.2 Werke von Jana Hensel, Jakob Hein, Jana Simon, Antje Rávic Strubel, Claudia Rusch, Daniel Wiechmann, ← 177 | 178 → Michael Tetzlaff, Julia Schoch, Katja Oskamp, Clemens Meyer, Susanne Schädlich, Uwe Tellkamp3 (die beiden Letzten befinden sich altersmässig bereits an der Grenze dieser „unberatenen“4 Generation) und anderen äußern nicht nur das Bedürfnis, die Jugend in der DDR literarisch festzuhalten, sondern auch eine Welt zu verstehen, die in der materiellen Substanz: Bauten, Landschaften, Kunstwerke noch sehr real und anwesend zu sein scheint, die sich aber mental von den heutigen – westdeutschen Bürgern – sehr entfernte. Diese Präsenz und Ferne der DDR-Vergangenheit kann – über die persönlichen, individuellen Gründe hinaus – ihre kulturelle Attraktivität gesteigert haben. Dafür würde die Popularität der ‚ostalgischen‘ Alltagsgegenstände sprechen, wie Ampel- oder Sandmännchen- oder Trabi-Produkte.

Es stellt sich die Frage, ob die Thematisierung des Lebens in der DDR die künstlerische Verortung einer Heimat bedeutet, die vom Lauf der Geschichte weggefegt wurde und eine Gefühlsleere hinterliess; oder spricht die literarische Konjunktur der DDR f...

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