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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

Series:

Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Narrative differenzierter Kriegserinnerungen. Zu Kurt Davids: Die Überlebende

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Narrative differenzierter Kriegserinnerungen Zu Kurt Davids: Die Überlebende

Halina Ludorowska

An der Deutung der Kriegserfahrung und der Herausbildung einer neuen politischen Identität in der sowjetischen Besatzungszone beteiligten sich vor allem die heimgekehrten kommunistischen Exilschriftsteller. Der DDR lag der antifaschistische Gründungsmythos1 zugrunde, initiiert und kulturell ausgestattet in der SBZ vorwiegend von den aus Moskau zurückgekehrten Kommunisten der Walter-Ulbricht-Gruppe, dem oberen Machtorgan in der SBZ – der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland, die u. a. für die Entnazifizierung sorgte) und der kommunistischen Partei (KPD, ab 1946 SED). Die letztere knüpfte grundsätzlich an die Vorkriegstraditionen des Kampfes gegen den Faschismus an, aufgenommen in den 1930er Jahren durch die sog. Volksfront. Die Literatur vor und kurz nach 1949 vermittelte einerseits Erinnerungen der Zeugen aus der Opferperspektive (z. B. Günter Weisenborn: Memorial, 1948) oder sie äußerte sich in fiktiven Opfer/Täter-Narrativen zum Thema ‚Nationalsozialismus‘ unter dem Losungswort „Nie wieder!“ (wie z. B. im Generationenroman von Anna Seghers Die Toten bleiben jung, 1949, Stephan Hermlins Die Zeit der Gemeinsamkeit, 1949 oder in Bruno Apitz’ Roman Nackt unter Wölfen, 1958).

Der offizielle Antifaschismus wurde rasch zur Staatsdoktrin2 der entstehenden DDR und zum Vehikel einer neuen kollektiven Identität3:

So entsteht in der frühen DDR Literatur über Nazismus und Weltkrieg vor allem in zwei Perspektiven – und beide sind pädagogischer Natur: Zum einem wird der Widerstand gegen das NS-Regime, zumal der kommunistische, idealisiert und heroisiert. Und zum zweiten werden »Wandlungen...

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