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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Das neue Europa? Die Wahrnehmung vom östlichen Mitteleuropa in der neuesten deutschsprachigen Reiseprosa

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Anna Pastuszka

Mit dem politischen Wandel 1989 und der Osterweiterung der Europäischen Union im Vorfeld des Jahres 2004 hat sich die Wahrnehmung von Europa grundlegend verändert. Mit der Öffnung der Grenzen und der beschleunigten Globalisierung sind sich die Länder West- und Osteuropas einander nähergekommen. Zwar besteht die traditionelle Ost-West-Asymmetrie im Erkenntnisinteresse der West- und Osteuropäer fort; es handelt sich um die Begleiterscheinung und das Ergebnis der jahrhundertelangen Aufteilung in das Zentrum (Westeuropa als der zentrale Ort von Geschichte und Kultur) und die Peripherie (Ost- und Südosteuropa). Trotzdem ist eine neue Vermessung Europas im Gange, alte europäische Provinzstädte entdecken ihre multikulturelle Vergangenheit, selbst die Mitte Europas scheint sich zu verschieben. Der Osteuropa-Kenner Karl Schlögel, der das neue Europa kreuz und quer bereist und erkundet, sieht eine neue Ära heraufkommen:

Wir stehen erst am Beginn einer Geschichtsschreibung, die den Rahmen der nationalstaatlichen Historiographie hinter sich läßt und Europa als Ganzes denkt. Europa wird neu vermessen – retrospektiv und in der Gegenwart.1

Im Vorfeld der Analyse sei hier zuerst auf den Begriff Ostmitteleuropa hingewiesen. Als Ostmitteleuropa bezeichnet man generell die Region zwischen dem deutschen und dem russischen Sprachgebiet, die in der deutschsprachigen Historiographie auch Zentraleuropa oder Zwischeneuropa genannt wird. Welche Länder zu Osteuropa und welche zum eher nebulösen Raumkonstrukt Mitteleuropa gehören, darüber herrscht keine Einigkeit. Die Kategorien des Ostens, der Mitte und des Westens gehören seit der Aufklärung zum mental...

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