Show Less
Restricted access

Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

Series:

Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
Show Summary Details
Restricted access

Flucht aus der Geschichte? Das 19. Jahrhundert im deutschen und polnischen historischen Roman

Extract



Marek Jakubów

Die Langlebigkeit der Welt des 19. Jahrhunderts im polnischen und deutschen Roman mag erstaunen, wenn man an die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder unternommenen Versuche denkt, mit der Kulturnation in Deutschland und der romantischen Tradition in Polen abzurechnen. Die Erfolge von Romanen wie Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann oder Ein liebender Mann von Martin Walser auf deutscher und Lód von Jacek Dukaj wie auch Warunek von Eustachy Rylski auf polnischer Seite liefern dafür in den letzten Jahren die besten Beispiele. Diese Tendenz wird seit den 80er Jahren durch zahlreiche andere Bücher ergänzt, die ihrerseits keineswegs zu Ladenhütern wurden. Zu erwähnen wären hier die Texte von Ransmayr, de Bruyn, Mosebach, Chwin, Huelle, Pilch, Piwowarski, Lewandowski und anderen sowie eine umfangreiche Produktion populärer Biographien und Romane. Zweifelsfrei bilden sie keine einheitliche Gruppe, trotzdem lassen sich in den Bestsellerromanen Versuche beobachten, eine neue, moderne Vergangenheit zu konstruieren, die sich in einem neuen Zugang zu einer auf den ersten Blick längst vergessenen und in einen stabilen Rahmen gezwängten Wirklichkeit erschöpfen.

Seit den erfrorenen Landschaften Sten Nadolnys1 oder Christoph Ransmayrs2 scheint das 19. Jahrhundert kein fester Bezugspunkt mehr zu sein. Den geschichtsphilosophischen Konstrukten und prominenten Persönlichkeiten, die die Notwendigkeit eines optimistischen, fortschrittlichen geschichtlichen Prozesses unterstrichen, wurde eine private, subjektive und keineswegs gloriose Weltwahrnehmung gegenübergestellt.3 An die Stelle der heldenhaften Taten der die Geschichte schaffenden Protagonisten treten nun ihre...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.