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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Zeitgeschichte in den Lebenserinnerungen des Schauspielers Alexander Granach und seines Sohnes Gad Granach

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Maria Kłańska

Zum Begriff „Zeitgeschichte“ in diesem Text sei angemerkt, dass darunter das verstanden wird, was Alexander Granach (1890–1945) und sein Sohn Gad (1915–2011) als ihre Zeitgeschichte, also als bewusst miterlebte Epoche empfunden haben. Dabei werde ich mich auf die politische bzw. Sozialgeschichte begrenzen, obwohl vornehmlich bei Alexander Granach viel Stoff zur Geschichte des deutschen Theaters und später im Exil auch des Films zu finden wäre.

Der Name Alexander Granach wird manchen, und zwar denjenigen, die sich mit dem Thema „Galizien in deutschsprachiger Literatur“ oder mit der Geschichte des deutschen Theaters beschäftigt haben, vertraut sein, aber sein Name ist nicht allgemein geläufig; Gad bzw. Gerhard Granach ist überhaupt wenigen bekannt.

Alexander Granach wurde wahrscheinlich 18901 im ostgalizischen Dorf Werbowitz/Wierzbowce/Werbiwici in einer kinderreichen Familie als Sohn eines jüdischen Bauern geboren. Die Familie zog aus ökonomischen Gründen in die Stadt, zuerst nach Skolje und dann nach Horodenka, wo Gronach-Vater Bäcker wurde und alle seine Söhne mithelfen mussten.2 Mit 12 Jahren konnte sich Jessaja als Bäckergeselle selbst ernähren, mit 16 brannte er nach Berlin durch, wo er sich die große Sehnsucht seines Lebens nach dem Theaterspielen erfüllen konnte. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vereitelte zunächst seine Pläne. Er musste sich in seiner Division in Galizien melden, kämpfte an der Westfront in Italien und geriet ← 55 | 56 → in italienische Kriegsgefangenschaft, aus der ihm nach einem Jahr eine...

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