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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

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Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
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Widerstand im Reich der Denunzianten. Hans Falladas Jeder stirbt für sich allein

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Hans Richard Brittnacher

Zum Verständnis der unterschiedlichen Positionen bei der lebhaften Auseinandersetzung um die Neuerscheinung von Falladas letztem Roman Jeder stirbt für sich allein sind einige Basisinformationen zur Entstehungsgeschichte des Romans unerlässlich. Johannes R. Becher, im Juni 1945 aus dem russischen Exil zurükgekehrt, suchte für den von ihm gegründeten „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ Autoren, die sich im Dritten Reich nicht zu sehr kompromittiert hatten, also auch solche der sog. „inneren Emigration“, zu denen er Fallada zählte.1 Sie sollten u. a. auch über jene weitgehend unbekannten Helden des Alltags schreiben, die während des NS-Regimes an der „Schafottfront“ (Günter Weisenborn)2 gearbeitet, also Widerstand geleistet hatten. Fallada, der sich nach zeitweiliger Haft, weil es bei Ehestreitigkeiten zu einem Schuss gekommen war, nach einer seiner vielen Alkohol- und Kokain-Entziehungskuren, nach der endgültigen Trennung von seiner Frau und der Verbindung mit der dreißig Jahre jüngeren, gleichfalls morphiumabhängigen Ursula Losch in einer erheblichen finanziellen und persönlichen Krise befand, war dankbar, dass ihm Becher dank seiner guten Beziehungen zu den russischen Besatzungsmächten zu Publikationsmöglichkeiten verhelfen konnte. Becher übergab Fallada schließlich eine Gestapoakte mit der Bitte, nach den Dokumenten einen Roman zu schreiben, der die Geschichte des deutschen Widerstands um ein unbekannt gebliebenes Kapitel bereichern sollte. Es handelte sich um die Strafakte des Arbeiterehepaares Hampel: Als Elise Hampel vom Tod ihres jüngeren Bruders im Frankreichfeldzug erfährt, entschließt sie sich zum zivilen Widerstand....

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