Show Less
Restricted access

Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

Series:

Edited By Janusz Golec and Irmela von der Lühe

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.
Show Summary Details
Restricted access

Arno Surminskis Vaterland ohne Väter – literarische Fiktion oder historische Dokumentation?

Extract



Konrad Łyjak

Der 1934 in Jäglack, im ehemaligen Ostpreußen geborene Arno Surminski gilt in erster Linie als Schriftsteller der Flucht und Vertreibung.1 In seiner schriftstellerischen Laufbahn hat er zwar auch Werke geschrieben, die sich dieser einseitigen Einstufung entziehen, die meisten sind jedoch mit den Problemen von Flucht, Vertreibung bzw. Integration der Flüchtlinge im Nachkriegsdeutschland verbunden. Louis Ferdinand Helbig schreibt über sein Schaffen: „Der rote Faden, der sich durch das gesamte Werk Surminskis zieht, ist die Sehnsucht nach eben dieser alten Heimat, nach Masuren vor 1945, aber auch Nostalgie nach einer friedlichen, idyllischen, guten, alten Zeit, die keinen Ort kennt“.2 Im weiteren Sinne bildet die deutsche Geschichte den roten Faden der Werke von Surminski. Der Erstlingsroman Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland schildert das Schicksal einer Familie von 1934 bis zur Vertreibung und Ankunft in Deutschland. Das Werk ist 1974 erschienen, vier Jahre vor Heimatmuseum von Lenz, ein Jahr vor dem ersten Band der Gleiwitzer Tetralogie von Horst Bienek und knapp 30 Jahre vor der Novelle Im Krebsgang, die eigentlicher Auslöser der ganzen Debatte über die Täter-Opfer-Dichotomie in der deutschen Geschichte gewesen war. Mirosław Ossowski bemerkt zu Recht, die klug ausgewogenen Romane von Surminski seien von den Rezensenten geschätzt worden, sie hätten jedoch nie zu einer so mitreißenden Diskussion geführt wie die Novelle von Grass3, obwohl Surminski die Leiden der aus dem Osten vertriebenen Deutschen ← 101 | 102 → schon in den...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.