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Die Entscheidungskompetenz des minderjährigen Patienten in der medizinischen Behandlung

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Daniela Böhmker

Der minderjährige Mensch nimmt heute in unserer Rechtsordnung eine in besonderem Maße geschützte Sonderstellung ein, die aber in vielen Bereichen wiederholt zu schwierigen rechtlichen Konstellationen führt. Im Mittelpunkt der Arbeit steht ein kleiner Ausschnitt dieser Problematik, nämlich die Frage nach dem Recht sowie der Fähigkeit Minderjähriger, im medizinischen Kontext eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen. Unter besonderer Beachtung des Selbstbestimmungsrechtes Minderjähriger werden praktikable, mit dem geltenden Recht sowie mit aktuellen entwicklungspsychologischen Erkenntnissen als auch mit der heutigen rechtlichen und gesellschaftlichen Stellung des Minderjährigen im Einklang stehende Lösungsansätze für ein reformiertes Schutzkonzept aufgezeigt.
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A. Einführung und Problemdarstellung

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A.  Einführung und Problemdarstellung

I.  Die Aktualität der Problematik aus rechtlicher und medizinischer Sicht

Der Minderjährige nimmt heute in unserer Rechtsordnung eine im besonderen Maße geschützte Sonderstellung ein, die es ihm ermöglicht, selbstständig und geschützt in die gesellschaftlichen Strukturen sowie in unser Normen-, Werte- und Rechtssystem hineinzuwachsen. Kindheit wird heute als eine Lebensphase gesehen, die mehr ist als die Vorbereitung auf das Erwachsenensein. Kinder und Jugendliche sind nicht „unvollständige“ Erwachsene, sondern Subjekte mit eigenen Fähigkeiten, Interessen und Rechten.

Die Tatsache, dass Kinder1 und Jugendliche heute in einem solch besonders hohen Maße unter dem Schutz vieler Rechtsordnungen stehen, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine richtige, wichtige und „schwer erkämpfte“ nationale und internationale Errungenschaft des 20. Jahrhunderts.2 Auch wenn der „Minderjährigenschutzgedanke“ sowie das grundsätzliche Vorhandensein ← 13 | 14 → von darüber hinausgehenden Rechten Minderjähriger in unserer gesellschaftlichen Grund- und Werteordnung wie auch in Teilbereichen der Rechtsordnung heute fest verankert sind, haben konkret ausformulierte Kinderrechte in Gesetz und Verfassung bisher noch keinen Einzug nehmen können. Lange Zeit als Randgebiet des Familienrechts behandelt, stellt das „Kinderschutzrecht“, nicht zuletzt aufgrund der engen Verknüpfung mit andersartigen rechtlichen und außerrechtlichen Komponenten, wie Sozialrecht, Sozialpädagogik und den sich wandelnden entwicklungspsychologischen Erkenntnissen,3 an den Bearbeiter im Einzelfall erhebliche Anforderungen. Auch die Tatsache, dass unsere Verfassung den in Deutschland lebenden Menschen und Familien mit anderen Glaubensgrundsätzen4 oder mit Migrationshintergrund gestattet, ihr ← 14 | 15 → Eltern-Kind-Verh...

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