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War die «Vertreibung» Unrecht?

Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Christoph Koch

Vor dem Hintergrund der in der Bundesrepublik anhaltenden Unrechtsdebatte diskutieren die Beiträge des Sammelbandes die völkerrechtliche Zulässigkeit und die historischen Auswirkungen der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens vom 2.8.1945. Darin wurde die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung in denjenigen Teilen des untergegangenen Reiches vereinbart, die Nachkriegsdeutschland nach den Bestimmungen des Abkommens nicht mehr angehörten. Die Aussiedlungsbeschlüsse betrafen überdies Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in den vom Dritten Reich okkupierten Ländern. Die Autoren kommen in der Einschätzung dieser Ereignisse zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Sammelband ist daher nicht zuletzt ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen Aneignung des Gegenstands in den von dem Geschehen betroffenen Ländern.
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Grußwort: Rudolf von Thadden

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Rudolf von Thadden

Es ist mir eine Freude, daß ich zu Beginn unserer Tagung ein paar Worte sprechen kann. Dies umso mehr, als der Veranstalter der Tagung, der in einer seiner Eigenschaften der Vorsitzende der ältesten Deutsch-Polnischen Gesellschaft unseres Landes ist, mir die Schirmherrschaft über die Konferenz angetragen hat, obwohl ich doch einer der „anderen“ Deutsch-Polnischen Gesellschaften, nämlich der Göttinger Gesellschaft angehöre. Ich hoffe, daß dies unserer Tagung eine zusätzliche Farbe gibt.

Was mich besonders motiviert, ist der Umstand, daß ich selbst aus einem Gebiet stamme, das bis 1945 zu Deutschland gehörte und dann polnisch wurde. Ich stamme aus dem östlich der Oder gelegenen Teil Pommerns und möchte betonen, daß meine Familie nicht vor dem Einmarsch der Roten Armee nach Pommern aus der alten Heimat geflohen ist. Ich bin also kein „Flüchtling“, sondern ein später „Vertriebener“ – und zwar ohne Anführungszeichen.

Mein erster Wunsch nach Versöhnung mit den polnischen Umsiedlern geht auf die „Ostpolitik“ Willy Brandts zurück, der ich aus fester Überzeugung zustimmte. Daraufhin bin ich Mitglied der deutsch-polnischen Schulbuchkommission geworden. die seit 1972 abwechselnd in Warschau und in Braunschweig tagte und Empfehlungen für im Geiste der Entspannung revidierte Schulbücher in der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen ausarbeitete.

Heute, vierzig Jahre danach, sind wir im deutsch-polnischen Dialog sehr viel weiter gekommen. Jetzt streiten wir uns nicht mehr um territoriale Zugehörigkeiten, sondern suchen nach gemeinsamen Feldern der Begegnung und...

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