Show Less
Restricted access

War die «Vertreibung» Unrecht?

Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Edited By Christoph Koch

Vor dem Hintergrund der in der Bundesrepublik anhaltenden Unrechtsdebatte diskutieren die Beiträge des Sammelbandes die völkerrechtliche Zulässigkeit und die historischen Auswirkungen der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens vom 2.8.1945. Darin wurde die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung in denjenigen Teilen des untergegangenen Reiches vereinbart, die Nachkriegsdeutschland nach den Bestimmungen des Abkommens nicht mehr angehörten. Die Aussiedlungsbeschlüsse betrafen überdies Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in den vom Dritten Reich okkupierten Ländern. Die Autoren kommen in der Einschätzung dieser Ereignisse zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Sammelband ist daher nicht zuletzt ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen Aneignung des Gegenstands in den von dem Geschehen betroffenen Ländern.
Show Summary Details
Restricted access

Ein völkerrechtlicher Rückblick auf die Umsiedlungsbeschlüsse von Potsdam – zugleich ein Plädoyer für zukunftsorientierte Vergangenheitsbewältigung: Thilo Marauhn

Extract

Thilo Marauhn

Aus völkerrechtlicher Perspektive kann man nicht über die Umsiedlungsbeschlüsse von Potsdam1 sprechen, ohne sich mit dem Vertreibungsverbot2 auseinanderzusetzen. Dieser Beitrag zeichnet in einer Art Retrospektive die Entwicklung des völkerrechtlichen Vertreibungsverbots seit dem Ende des späten 19. Jahrhundert nach und versucht, die Potsdamer Beschlüsse so einzuordnen, daß damit einerseits keine Zweifel am individualschützenden3 völkerrechtlichen Normenbestand verbunden sind, andererseits aber die Potsdamer Beschlüsse als historische Tatsache4 nicht in Frage gestellt werden. Es wird zu zeigen sein, daß man den damals gefaßten Beschlüssen völkerrechtlich nur gerecht werden kann, wenn man den Ausnahmecharakter5 der militärischen, politischen und rechtli ← 3 | 4 → chen Situation am Ende des Zweiten Weltkriegs berücksichtigt. Nur so lassen sich die noch aufzuzeigenden Brüche in der Völkerrechtsentwicklung6 erfassen und für eine zukunftsorientierte Vergangenheitsbewältigung7 fruchtbar machen.

Damit ist zugleich klargestellt, daß diese Würdigung der Potsdamer Umsiedlungsbeschlüsse einerseits und des völkerrechtlichen Vertreibungsverbots andererseits keine Rückabwicklung8 der mit den Potsdamer Beschlüssen verbundenen Rechtsfolgen zum Gegenstand haben kann und soll. Fast siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geht es vielmehr darum, allein den politischen Verhältnissen geschuldete Argumente für oder gegen die Rechtmäßigkeit der Potsdamer Beschlüsse in Frage zu stellen9 und gegebenenfalls ad acta zu legen, um den Versuch einer möglichst tragfähigen völkerrechtlichen Einordnung der Umsiedlungsbeschlüssen zu unternehmen. Der Verfasser dieser Zeilen hält die Potsdamer Umsiedlungsbeschlüsse weder...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.