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War die «Vertreibung» Unrecht?

Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Christoph Koch

Vor dem Hintergrund der in der Bundesrepublik anhaltenden Unrechtsdebatte diskutieren die Beiträge des Sammelbandes die völkerrechtliche Zulässigkeit und die historischen Auswirkungen der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens vom 2.8.1945. Darin wurde die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung in denjenigen Teilen des untergegangenen Reiches vereinbart, die Nachkriegsdeutschland nach den Bestimmungen des Abkommens nicht mehr angehörten. Die Aussiedlungsbeschlüsse betrafen überdies Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in den vom Dritten Reich okkupierten Ländern. Die Autoren kommen in der Einschätzung dieser Ereignisse zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Sammelband ist daher nicht zuletzt ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen Aneignung des Gegenstands in den von dem Geschehen betroffenen Ländern.
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Schuld und Verantwortung, Wunden und Narben: War die Vertreibung Unrecht?: Jerzy Kranz

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Jerzy Kranz

Im Hinblick auf den Verlauf und die Folgen des Zweiten Weltkrieges sind im derzeitigen deutsch-polnischen Diskurs immer noch einige politische oder juristische Meinungsverschiedenheiten erkennbar. Alle diese Fragen gehören heute zwar weitgehend der Vergangenheit an, bleiben aber unabtrennbarer Bestandteil der Geschichte beider Staaten und Nationen – und stoßen daher auch weiterhin auf Interesse1.

Wissen und historische Erfahrungen sind nicht vererbbar. Die Völker müssen verstehen, aus welcher kollektiven Vergangenheit sie erwachsen sind und welche konkreten Auswirkungen diese Vergangenheit auf die zukünftige Entwicklung hat. Daher ist es von Bedeutung, was bzw. wie man die Kenntnisse der Gegenwart an zukünftige Generationen weitervermittelt. Auch wenn eine gemeinsame Auffassung nicht immer erreicht werden kann, dient der Dialog stets dem besseren Verständnis der unterschiedlichen Haltungen.

Die im Folgenden unternommenen Überlegungen sind den politischen und rechtlichen Aspekten der Zwangsaussiedlungen der deutschen Bevölkerung gewidmet. Sie waren eine Konsequenz des von Deutschland entfachten Krieges und der alliierten Beschlüsse von 1945. Unsere Erörterungen gehen zunächst auf den Streit um die deutsch-polnische Grenze ein und skizzieren dann wichtige politische Aspekte der Zwangsaussiedlung der Deutschen. Abschließend wird der Versuch unternommen, die Potsdamer Aussiedlungsbeschlüsse in ihrer rechtlichen Bedeutung zu bewerten.

1.1. Die deutsch-polnischen Kontroversen nach dem Zweiten Weltkrieg resultierten vor allem daraus, daß die auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli – 2. August 1945) angekündigte multilaterale Friedensregelung (peace settlement) mit Deutschland ausblieb. Diese Situation ergab sich aus dem Zerfall der Siegermächtekoalition...

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