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War die «Vertreibung» Unrecht?

Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Edited By Christoph Koch

Vor dem Hintergrund der in der Bundesrepublik anhaltenden Unrechtsdebatte diskutieren die Beiträge des Sammelbandes die völkerrechtliche Zulässigkeit und die historischen Auswirkungen der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens vom 2.8.1945. Darin wurde die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung in denjenigen Teilen des untergegangenen Reiches vereinbart, die Nachkriegsdeutschland nach den Bestimmungen des Abkommens nicht mehr angehörten. Die Aussiedlungsbeschlüsse betrafen überdies Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in den vom Dritten Reich okkupierten Ländern. Die Autoren kommen in der Einschätzung dieser Ereignisse zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Sammelband ist daher nicht zuletzt ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen Aneignung des Gegenstands in den von dem Geschehen betroffenen Ländern.
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Die Aussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Ihre Geschichte und die Entwicklung ihrer Wahrnehmung im tschechischen nationalen Gedächtnis: Oldřich Tůma

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Oldřich Tůma

„Noch bevor ich zum eigentlichen Thema komme, muß ich mit einer grundlegenden Feststellung beginnen. Nichts kann Morde an irgend einer Gruppe ziviler Opfer rechtfertigen. Es gibt nichts, was das Töten von Männern, Frauen und Kindern rechtfertigen könnte, nur weil sie zu irgendeiner gesellschaftlichen Gruppe, einem bestimmten Volk oder Religion gehören. Das Üben von Gerechtigkeit muß immer individuell sein … Genauso lehne ich grundsätzlich das Töten von Soldaten jeglicher militärischer oder polizeilicher Formationen ab, nur weil sie darin ihren Dienst tun, ganz besonders, wenn sie unbewaffnet sind und sich ergeben haben. Jeder, der einen solchen Mord begeht – und es ist ganz gleich, wen er repräsentiert – ist für mich nichts anderes als ein Mörder.“ Ich habe mir erlaubt, mit einem Zitat aus einem Text des bedeutenden polnischen Historikers Tadeusz Strzembosz zu beginnen1. Seine Worte wurden im Rahmen der Debatten um eine eventuelle Mitschuld von Polen an der Verfolgung und Ermordung von Juden während des zweiten Weltkrieges (und danach) vorgetragen, die in Polen mit nie dagewesener Macht während des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends entbrannte. Debatten, die in einigen Aspekten, Zusammenhängen und ihrer Intensität an die Debatte in Tschechien in den 90-er Jahren zur Vertreibung und zur tschechischen Verantwortung für die an den Deutschen im Frühjahr und Sommer 1945 verübten Verbrechen erinnerten. Der Haltung von Tadeusz Strzembosz kann man nur zustimmen. Dies gilt auch für das Thema, das mir hier...

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