Show Less
Restricted access

War die «Vertreibung» Unrecht?

Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Edited By Christoph Koch

Vor dem Hintergrund der in der Bundesrepublik anhaltenden Unrechtsdebatte diskutieren die Beiträge des Sammelbandes die völkerrechtliche Zulässigkeit und die historischen Auswirkungen der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens vom 2.8.1945. Darin wurde die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung in denjenigen Teilen des untergegangenen Reiches vereinbart, die Nachkriegsdeutschland nach den Bestimmungen des Abkommens nicht mehr angehörten. Die Aussiedlungsbeschlüsse betrafen überdies Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in den vom Dritten Reich okkupierten Ländern. Die Autoren kommen in der Einschätzung dieser Ereignisse zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Sammelband ist daher nicht zuletzt ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen Aneignung des Gegenstands in den von dem Geschehen betroffenen Ländern.
Show Summary Details
Restricted access

Transitional Justice und Demokratisierung im Kontext von Flucht und Vertreibung: Anja Mihr

Extract

Anja Mihr

Eine juristische, historische oder erinnerungspolitische Aufarbeitung von gewaltsamer Vertreibung ist Teil jedes Transitional Justice (TJ)-Prozesses. Transitional Justice-Mechanismen, -Methoden und -Instrumente sind im Kontext der Aufarbeitung von Umsiedlung und Vertreibung insofern relevant, als es dabei zu gewaltsamen Menschenrechtsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung (forced deportation, ICC) kommt1. Bei der historischen, symbolischen, politischen oder juristischen Aufarbeitung dieser Menschenrechtsverletzungen im Kontext von TJ geht es nicht um Aufrechnung von Unrecht, sondern um die öffentliche Darstellung und das Bezeugen von begangenem Unrecht. Ziel ist es, in Zukunft solche und ähnliche Menschenrechtsverbrechen zu verhindern. Gleichzeitig leistet der TJ-Prozeß nur dann einen Beitrag zur gesellschaftlichen Versöhnung (reconciliation), wenn die darin involvierten Akteure, wie etwa Opferverbände, Täter, Behörden oder Gerichte gleichberechtigt sind und Verantwortung bzw. Schuld- bzw. Unschuldszuweisungen in alle Richtungen vornehmen2. Siegerjustiz, oder einseitige Schuldzuweisung in Form von Vergeltung nach dem Motto „denen geschieht es recht“ wird langfristig nicht zur Heilung, sondern zu neuen Konflikten zwischen den betroffenen Gruppen führen. Eine derartige Aufrechnung wird von den Befürwortern von TJ abgelehnt.

Es geht demnach nicht um Aufrechnung von Opfergruppen oder darum, wer das meiste Unrecht erdulden mußte. Es geht vielmehr darum, den genauen Hergang, die Ursachen und persönliche Verantwortlichkeiten festzustellen. Persönlicher materieller und ideeller Verlust soll anerkannt und falls möglich entschädigt werden. Straftäter sollen einer gerechten Strafe zugefügt werden. Das Unrecht seitens offizieller Stellen anzuerkennen, ist dabei zunächst der wichtigste Schritt. Ziel ist es, das ehemalige Herrschaftsregime,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.