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Mechanismen der Trivialliteratur

Zur Wirkungsweise massenhaft verbreiteter Unterhaltungslektüre

Wolfgang Beutin

In einer Untersuchung von etwa 170 Romanen und Novellen der Trivialliteratur aus der Zeit von 1849 bis 1945 werden die «Mechanismen» dieser Texte aufgezeigt. Die herangezogenen Werkgruppen sind: der Liebesroman, der Frauenroman, der historische Roman, der Gesellschaftsroman, der Abenteuerroman, der Bergroman und der biographische Roman. Die unterschiedlichen Romantypen weisen auf verschiedene Elemente in der Textur zurück – es wird analysiert, wie diese «Mechanismen» die Schriften an das Interesse des Publikums banden und die Inhalte mit der gesellschaftlichen Psychologie und der Ideologie der Lesenden verknüpften.
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Eine Ästhetik des Trivialen?

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Keine wahrnehmbaren Spezifika –

Wer die herkömmliche Dichotomie akzeptiert und sich den Fundus deutschsprachiger Belletristik eingeteilt denkt in ein Obergeschoß: die Hochliteratur, sowie ein Untergeschoß: die Trivialliteratur, wird leicht geneigt sein, jedes von ihm studierte Werk als einhellig entweder ‚hochliterarisch‘ oder ‚trivial‘ zu klassifizieren. Aber das ist bereits eine fehlerhafte Präsupposition.

So kritisiert Helmut Kreuzer in seiner Polemik gegen obsolete Prinzipien der Trivialliteraturforschung die Auffassung W. Killys, wonach „die Einheitlichkeit des Textes in der Kitschigkeit als dem gemeinsamen dominierenden Charakteristikum aller Teile begründet sei“, denn die von diesem als Merkmale des Kitschigen ausgegebenen Stilzüge (darunter Kumulation, Repetition, Synästhesie, Lyrisierung) „sind allesamt auch in Werken der hohen Literatur des 19. oder 20. Jahrhunderts nachzuweisen“, während sie in einigen Unterarten der Trivialliteratur fehlen können. Kreuzer schreibt: „Das heißt, jene Merkmale sind keine Kriterien der Trivialität, sondern der formen- und stilgeschichtlichen Zugehörigkeit, und nur die Art und das Niveau ihrer Verwendung bewirken das Maß ihrer Trivialität.“ (9) So gelangt Kreuzer zu dem Schluß: „Offensichtlich ist die Trivialliteratur … keine ‚Gattung‘, keine literarische Grundform mit spezifischen Regularitäten, sondern ein Komplex von Werken, die denselben Gattungen (wie Roman, Drama, Gedicht usw.) angehören wie die Werke der Literatur.“ (11)

Er stellt der Forschung nicht gerade eine leichte Aufgabe, wenn er die „Art“ und das „Niveau“ der Verwendung bestimmter Stilzüge – besonders über das Niveau nämlich läßt sich sehr gut streiten – als „Maß“ von Trivialität...

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