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Mechanismen der Trivialliteratur

Zur Wirkungsweise massenhaft verbreiteter Unterhaltungslektüre

Wolfgang Beutin

In einer Untersuchung von etwa 170 Romanen und Novellen der Trivialliteratur aus der Zeit von 1849 bis 1945 werden die «Mechanismen» dieser Texte aufgezeigt. Die herangezogenen Werkgruppen sind: der Liebesroman, der Frauenroman, der historische Roman, der Gesellschaftsroman, der Abenteuerroman, der Bergroman und der biographische Roman. Die unterschiedlichen Romantypen weisen auf verschiedene Elemente in der Textur zurück – es wird analysiert, wie diese «Mechanismen» die Schriften an das Interesse des Publikums banden und die Inhalte mit der gesellschaftlichen Psychologie und der Ideologie der Lesenden verknüpften.
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Reale Lebenswelt, Ideologie und Psychologie

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Technik, Erfindungen

Was am ehesten dazu berechtigt, ein bestimmtes Werk der trivialen Belletristik zuzuordnen, hingegen ein anderes der Hochliteratur, ist: die Kombination. –

These: Ein Werk der Trivialliteratur zeigt die Amalgamierung solcher formalen Elemente, die der Schöpfer des Kunstwerks höheren Ranges ausschlösse, mit gedanklichen Elementen oder ‚Gedankenwelten‘ vollkommen nichtiger oder höchst bedenklicher Art (vgl. unten, „Ideologie“).

Wenn Literatur – pauschalierend beurteilt – auf den Gefühlshaushalt der Leserschaft zielt, nämlich (gemäß der Formulierung von Bentley, 176) mit dem Angebot der „Identifikationen und Ersatzstoffe von höchstem emotionalen Interesse“, beeinflußt sie in aller Regel doch zudem die Gedankenwelt der Leserinnen und Leser, anregend oder lähmend. Mit den Bestandteilen von emotionalem Interesse eines jeden literarischen Werks sind im allgemeinen Ausschnitte aus der Gedankenwelt des Autors verbunden. Zu der Ballung verschiedener Elemente, welche ein literarisches Werk konstituieren, gehören also auch die gedanklichen, die Ideologeme. Frage also: Wenn Verdacht aufkommt, daß ein so oder so beschaffener Text anhand einiger formaler Merkmale ins Untergeschoß zu verweisen wäre, liefert dann der Gehalt an Ideologie oder ihr Fehlen ein weiteres Argument dafür bzw. dagegen? Entspräche vielleicht den sonstigen Indizien für Trivialität eine triviale Ideologie? – Zu erinnern ist an eine zweite Formulierung Bentleys (110), wonach Denken vielfach „keinen Rang habe“ und keinerlei „Achtung“ verdiene. Wodurch der Forschung eine weitere Aufgabe zufällt: die in einem interpretierten Werk enthaltene Ideologie aufzufinden und zu bewerten. Wer die triviale Belletristik untersucht, wird sich...

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