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Mechanismen der Trivialliteratur

Zur Wirkungsweise massenhaft verbreiteter Unterhaltungslektüre

Wolfgang Beutin

In einer Untersuchung von etwa 170 Romanen und Novellen der Trivialliteratur aus der Zeit von 1849 bis 1945 werden die «Mechanismen» dieser Texte aufgezeigt. Die herangezogenen Werkgruppen sind: der Liebesroman, der Frauenroman, der historische Roman, der Gesellschaftsroman, der Abenteuerroman, der Bergroman und der biographische Roman. Die unterschiedlichen Romantypen weisen auf verschiedene Elemente in der Textur zurück – es wird analysiert, wie diese «Mechanismen» die Schriften an das Interesse des Publikums banden und die Inhalte mit der gesellschaftlichen Psychologie und der Ideologie der Lesenden verknüpften.
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Historischer Roman

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Vom „Todeskeim“

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es in ganz Europa eine förmliche Schwemme historischer Romane sowohl in der Hochliteratur als auch in der trivialen Buchproduktion. Sie hängt mit mehreren Faktoren zusammen, darunter in erster Linie dem Aufkommen des – wissenschaftlichen und künstlerischen – Historismus; auch damit, daß in England Walter Scott eine neuartige Tradition des historischen Romans begründete, die schnell Ruhm errang, auf den Kontinent übergriff und hier in fast allen Ländern Nachfolge fand; in Deutschland z. B. im Werk von Willibald Alexis. Im selben Zeitraum gab es vielfache Bemühungen der Autoren, sich Klarheit über das Wesen des Geschichtsromans zu verschaffen, und es entstanden Reflexionen über diesen, zusammengenommen eine Theorie des Genres.78 An ihrer Ausarbeitung beteiligten sich hervorragende Autoren der Hochliteratur, doch finden sich selbst entsprechende Versuche von Verfassern und Verfasserinnen, die mit ihrem eigenen Werk zur Trivialliteratur gezählt werden.79

Das Genre erhielt seinen Namen daher, daß in den dazu gehörigen Werken in bestimmter Menge historische Fakten eingebracht werden: Bilder ganzer geschichtlicher Epochen, einzelne geschichtliche Ereignisse, geschichtliche Protagonisten – das Unterscheidungsmerkmal, welches den historischen Roman von den übrigen Gattungen der Prosa trennt. Mit der Einbringung geschichtlicher Tatsachen und ihrer Deutungen verbinden sich nun allerdings bei der Herstellung des Werks spezifische Schwierigkeiten, die vom Autor zu überwinden sind. Es gelingt nicht schon dadurch, daß er in seinem Buch geschichtliche Materialien aneinanderreihend aufhäuft. Auf diesem Wege entstünde allenfalls eine „Haupt- und Staatsaktion“. (Ganz davon abgesehen, da...

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