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Modernismus als theologischer Historismus

Ansätze zu seiner Überwindung im Frühwerk Maurice Blondels- 2., überarbeitete Auflage

Gerhard Larcher

Die Arbeit versteht sich als theologiegeschichtliche Untersuchung in systematischer Absicht. Innerhalb der Blondel- und Modernismusforschung erfüllt sie die spezielle Aufgabe, jenen Stellungnahmen und Korrespondenzen Maurice Blondels rund um die «question biblique» nachzugehen, die wissenschaftstheoretisch und theologisch das Geschichtsproblem betreffen. Darüber hinaus wird versucht, alle einschlägigen Hinweise, die Blondels sonstiges philosophisches und apologetisches Frühwerk bereithält, in ihrer weitreichenden Aktualität, besonders zum Thema «Historische Vernunft und Glaube» und zum Traditionsbegriff systematisch zu entfalten.
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Dritter Hauptteil: Hintergründe

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3. Geschichtstheorie und Theologie. Systematische Erwägungen zu Blondels Historismuskritik im Werkgeschichtlichen Kontext

Die folgenden Kapitel verstehen sich als Versuch einer systematischen ‚relecture‘ der in Teil zwei hauptsächlich historisch analysierten Problemstellungen. Dies geschieht im Lichte all jener einschlägigen Frühschriften Blondels, die die Themen der Modernismuskontroverse zwar tangieren, chronologisch (etwa zwischen 1893 und 1910) und sachlich aber in deren weiteren Kontext fallen (1). Primärer Bezugspunkt ist natürlich die Hauptschrift „L’Action“ von 1893. Methodisch haben wir außer den hier relevanten theologischen auch die notwendig zugehörigen philosophischen und wissenschaftstheoretischen Fragestellungen zu berücksichtigen.

Aufgrund der historischen Sichtung und Bündelung der thematischen Leitperspektiven in den beiden vorangegangenen Teilen ist es uns jetzt besser möglich, den in der Modernismuskrise wegen weitreichender ontologischer und theologischer Befangenheiten unbewältigt gebliebenen Hauptproblemen vertieft nachzugehen. Wir bezeichneten das damalige, einflussreiche, wissenschaftsgeschichtliche Umfeld jener Krise im Anschluss an einen zwar polyvalenten, aber durchaus etablierten Sprachgebrauch als Historismus (in den folgenden grundsätzlicheren Überlegungen werden wir diesen geläufigeren Terminus statt des eher situationsgebundenen Begriffs „Historizismus“/„historicisme“ wiederaufgreifen). Damit sollte vornehmlich ein Verlust bzw. eine methodische Überfremdung des lebensweltlich-überlieferungsgeschichtlichen Verhältnisses zu Geschichte als Fernwirkung der großen historischen Traditionsbrüche und Innovationsschübe der Neuzeit, besonders im 19. Jahrhundert ausgedrückt sein. Die methodischen Verzerrungen im Verhältnis zur Geschichte waren hauptsächlich durch eine ungenügend reflektierte Rezeption der in jenem Jahrhundert unaufhaltsam sich durchsetzenden historisch-kritischen Wissenschaftsstandards entstanden. Entsprechend ergab sich als...

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