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Modernismus als theologischer Historismus

Ansätze zu seiner Überwindung im Frühwerk Maurice Blondels- 2., überarbeitete Auflage

Gerhard Larcher

Die Arbeit versteht sich als theologiegeschichtliche Untersuchung in systematischer Absicht. Innerhalb der Blondel- und Modernismusforschung erfüllt sie die spezielle Aufgabe, jenen Stellungnahmen und Korrespondenzen Maurice Blondels rund um die «question biblique» nachzugehen, die wissenschaftstheoretisch und theologisch das Geschichtsproblem betreffen. Darüber hinaus wird versucht, alle einschlägigen Hinweise, die Blondels sonstiges philosophisches und apologetisches Frühwerk bereithält, in ihrer weitreichenden Aktualität, besonders zum Thema «Historische Vernunft und Glaube» und zum Traditionsbegriff systematisch zu entfalten.
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Historismuskritik und Traditionsbegriff

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3.5. Wirkungsgeschichte und Praxis. Ontologische Grundlagen und hermeneutische Implikationen von Blondels Traditionsbegriff

3.5.1. Methodologische Vorbemerkungen

Die in Umrissen skizzierte, hermeneutisch gewendete Immanenzmethode hat schon aus der inneren Logik ihres Verfahrens heraus die Überbrückung des Abgrundes zwischen „Wissenschaftsgeschichte“ und „Wirklichkeitsgeschichte“, zwischen historisch rekonstruierender Vernunft und geschichtlich praktischer Glaubenszustimmung in die Wege geleitet. Ein entscheidender Vermittlungsschritt darauf zu bestand in der Darlegung der transzendentalen Bedingungen für eine letzte, übernatürliche Sinnerfüllung der geschichtlich-endlichen Existenz. Indem Blondel den Historiker der Christentumsgeschichte in einer Rekonstruktion seiner Grundoperationen fortschreitend zwang, seine implizit leitenden Annahmen und Postulate offenzulegen bzw. sein Scheitern auf einer rein immanenten Erklärungsebene nicht zu verdrängen, hat er schließlich die Möglichkeit einer sich selbst vergeschichtlichenden ‚realistischen‘ Verstehensweise ins Auge gefasst. Damit war zugleich die potentielle Anerkenntnis einer heilsgeschichtlichen Tiefendimension der Geschichte im explizit christlichen Sinne vorbereitet. Ebenso waren damit schon Kriterien für eine rechte Selbstaufhebung jener transzendentalen Sinnbestimmungsreflexion in geschichtliche Glaubenspraxis hinein wie auch für eine unterscheidende Erkenntnis des authentischen Anspruchs religiöser Überlieferungsinhalte in den Blick gekommen.

Als konkrete Vermittlungsbestimmung ist zuletzt der Begriff der Praxis und der Tradition in transzendentaler Perspektive ansichtig geworden. Dabei konnte an die Grundstruktur des für den Historiker, zumal den Exegeten, auch schon vortheologisch verbindlichen, hermeneutischen Zirkels lebensweltlicher Überlieferungen angeknüpft werden. In dessen Weiterführung geht es jetzt um einen Typ von „Wirklichkeitsgeschichte“, der nicht nur innerhalb des kirchlichen Glaubenslebens mitentscheidend dafür ist, heilsgeschichtliche „Fakten“ und dogmatische...

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