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Modernismus als theologischer Historismus

Ansätze zu seiner Überwindung im Frühwerk Maurice Blondels- 2., überarbeitete Auflage

Gerhard Larcher

Die Arbeit versteht sich als theologiegeschichtliche Untersuchung in systematischer Absicht. Innerhalb der Blondel- und Modernismusforschung erfüllt sie die spezielle Aufgabe, jenen Stellungnahmen und Korrespondenzen Maurice Blondels rund um die «question biblique» nachzugehen, die wissenschaftstheoretisch und theologisch das Geschichtsproblem betreffen. Darüber hinaus wird versucht, alle einschlägigen Hinweise, die Blondels sonstiges philosophisches und apologetisches Frühwerk bereithält, in ihrer weitreichenden Aktualität, besonders zum Thema «Historische Vernunft und Glaube» und zum Traditionsbegriff systematisch zu entfalten.
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4. Schlussbemerkungen

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In den vorangegangenen Kapiteln wurde ein sehr breites Spektrum an Historismuskritik entfaltet: von Blondels integraler Wissenschaftskritik nach dem Strukturmodell von „L’Action“ bis hin zu seinem Verständnis von Tradition als normativer Wirkungsgeschichte Christi. Trotz der Mannigfaltigkeit der Aspekte hat sich gezeigt, dass alle die angesprochenen Perspektiven einer Methoden- und Traditionskritik innerhalb des dynamisch-dialektischen Aufbaus der Grundvollzüge geschichtsverstehender Subjektivität und innerhalb einer Überlieferungsgeschichtlich erweiterten Hermeneutik eine Stelle und Funktion gewinnen können. Im Rahmen unserer Gesamtthematik interessierte besonders die methodenkritisch-hermeneutische Perspektive. Deshalb musste vor allem von ihr aus verdeutlicht werden, wie kritisch-wissenschaftliche Grundhaltung, hermeneutische Metareflexionen und lebensweltlich-realgeschichtliche Handlungszusammenhänge bzw. Glaubensaussagen und Überlieferungen einander vermittelbar sind, ja sich wechselseitig hermeneutisch bedingen. War es doch die Leistung von Blondels Intervention, gerade in einer Phase gegenseitiger Verständnislosigkeit Gültigkeitskriterien der hermeneutischen Arbeit anzugeben; sowohl grundsätzlich für das Eigentümliche historischen Verstehens als auch speziell für das Verhältnis ‚geschichtliche Vernunft und Glaube‘. Um diese Gesamtperspektive abschließend zu würdigen, sind nun unter dem Generalthema ‚Historismuskritik‘ rückblickend auf Teil I noch einmal Blondels charakteristische und weiterhin aktuelle Impulse zur Überwindung eines theologischen Historismus hervorzukehren.

Ausgehend von Blondels These über den „historicisme“ wurde in Teil I bereits aufgezeigt, wie eng einige der für die Modernismuskontroversen direkt oder indirekt besondere bedeutsamen theologischen Positionen mit einem Grundtyp historistischer Bewusstseinsstellung verbunden sind. Dieser ließ sich pauschal als Methodeninadäquanz – bzw. Überlagerung angesichts eines komplexen, als neu erfahrenen Wirklichkeitshorizontes umschreiben. Er war durch den Reflexionsfortschritt neuzeitlicher...

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