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Friedrich Theodor Vischer und Italien

Die erlebte Ästhetik eines Augenmenschen

Francesca Iannelli

Die Autorin rekonstruiert die leidenschaftliche Beziehung Friedrich Theodor Vischers (1807–1887) zu Italien im Kontext der Italienreisen seiner Vorgänger, Goethe und Winckelmann, und Nachfolger, Nietzsche und Freud. Die ästhetischen Schriften und die Briefwechsel, besonders mit Strauß und Benelli (zum ersten Mal untersucht und publiziert), geben Aufschluss über den Kunstsinn dieses unersättlichen Augenmenschen. Seine erlebte Ästhetik, die aus einer täglichen Kunstrezeption und zahlreichen Italienreisen erwuchs, war die verborgene Inspirationsquelle für die berühmte Einfühlungstheorie seines Sohnes Robert. Die Überzeugung, dass die Bilder ewige Macht besitzen und dass eine symbolische Kunstrezeption möglich ist, ist sein wichtigstes Erbe in der unruhigen Zeit des iconic turn.
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Anhang: Unter den hundertjährigen Linden von Tübingen

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Zum ersten Mal werden hier fünf Briefe veröffentlicht, die Francesco Leopoldo Benelli an Friedrich Theodor Vischer gerichtet hat. Sie stammen aus dem Zeitraum zwischen 1865 und 1886, ein Jahr vor dem Tod des deutschen Philosophen1. Sie erlauben uns eine Annäherung an die komplexe Persönlichkeit Vischers aus einem ganz besonderen Blickwinkel. Scheu, überempfindlich, unsicher, aber zugleich hartnäckig, kämpferisch und leidenschaftlich, so erscheint Vischer in dem lebenslangen Briefwechsel mit David Friedrich Strauß, während er hier eine völlig andere briefliche Beziehung eingeht. Zwischen ihm und seinem Briefpartner besteht ein Altersunterschied von nicht weniger als 25 Jahren, ein langes Vierteljahrhundert, was jedoch nicht verhindert, dass zwischen beiden eine aufrichtige Beziehung entsteht, die anfänglich auf Gedichten, Übersetzungen, Politik beruht, aber auch Alltagsprobleme, gegenseitige Besuche, Austausch von Vertraulichem, von Fotos, eigenen Gedichten und sogar von Wein mit einbezieht2. Der Unterschied in ihrer gesellschaftlichen Stellung kann kaum größer sein: der eine ist äußerst aktiv im kulturellen und politischen Leben seiner Zeit, der andere nahezu unbekannt. Aber genau das ist der Grund, weshalb dieser Briefwechsel so aufschlussreich ist. Er ist uneigennützig und beruht vor allem auf der gegenseitigen Achtung des anderen als Menschen und vor allem auf einem Wert, an den Vischer sein Leben lang geglaubt hat: auf der Freundschaft. Dieser besondere Blickwinkel erlaubt uns, etwas von Vischers Innenleben zu erfassen und zu verfolgen, wie er sich nach und nach dem Freund öffnet und sich ihm „unter den hundertjährigen Linden Tübingens“3...

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