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Friedrich Theodor Vischer und Italien

Die erlebte Ästhetik eines Augenmenschen

Francesca Iannelli

Die Autorin rekonstruiert die leidenschaftliche Beziehung Friedrich Theodor Vischers (1807–1887) zu Italien im Kontext der Italienreisen seiner Vorgänger, Goethe und Winckelmann, und Nachfolger, Nietzsche und Freud. Die ästhetischen Schriften und die Briefwechsel, besonders mit Strauß und Benelli (zum ersten Mal untersucht und publiziert), geben Aufschluss über den Kunstsinn dieses unersättlichen Augenmenschen. Seine erlebte Ästhetik, die aus einer täglichen Kunstrezeption und zahlreichen Italienreisen erwuchs, war die verborgene Inspirationsquelle für die berühmte Einfühlungstheorie seines Sohnes Robert. Die Überzeugung, dass die Bilder ewige Macht besitzen und dass eine symbolische Kunstrezeption möglich ist, ist sein wichtigstes Erbe in der unruhigen Zeit des iconic turn.
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Kapitel 4: Die italienische Kunst und die Macht der Bilder

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4.1  Die erste Begegnung mit der italienischen Kunst auf der Magisterreise

Vischers Liebe zur Kunst war eine Konstante in seinem ganzen Leben, und zwar schon seit der Zeit vor seiner ersten langen Italien- und Griechenlandreise (1839–1840). Bezeugt wird das bereits durch die Magisterreise von 1832–33, eine Art Initiationsreise in die Literatur, die Kunst und die Philosophie, die den jungen Vischer nach Göttingen, Berlin, Dresden, Prag, Wien, Linz, Salzburg und München führte. Auf dieser Reise, die Vischer im Herbst 1832 unternahm, entdeckte er sein unersättliches Interesse für den wenige Monate zuvor verstorbenen Goethe, insbesondere für den Faust, nachdem er zufällig die Falksche Schrift über Goethe in der Bibliothek seines Onkels Städlin gefunden hatte1. Dieses Interesse verstärkte sich noch in Berlin, wo er die Vorlesungen von Heinrich Gustav Hotho Ueber Goethe als Dichter2 hörte, und in Dresden, wo er einer von Tieck „meisterhaft“ vorgetragenen Faust-Lesung beiwohnte3. In der Gemäldesammlung im Belvedere in Wien, wie auch in den Gemäldegalerien in Berlin und in Dresden hatte er zum ersten Mal die Gelegenheit, die Meisterwerke der italienischen Maler zu bewundern. Aber er ließ es sich auch nicht nehmen, in Berlin und Wien die Theater zu besuchen, wo er Stücke von Grillparzer, Raimund und Nestroy sah, sich in dem grünen Stadtteil Tiergarten zu entspannen oder im Prater die elegant gekleideten Spaziergänger und die Chaisen zu beobachten.

Er empfing zahlreiche Eindrücke, und wenn...

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