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HeldenGeschlechtNarrationen

Gender, Intersektionalität und Transformation im Nibelungenlied und in Nibelungen-Adaptionen

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Susanne Schul

Das Nibelungenlied zählt zu den bekanntesten Texten des Mittelalters. Seine Bedeutung für die europäische Heldenepik spiegelt sich auch in den vielfältigen Adaptionen wider, die den Stoff bis heute in Erinnerung halten. Die Studie geht dieser andauernden Faszination nach und fragt aus einer medienkomparativen Perspektive, wie sich gender- und narrationsspezifische Darstellungsformen gegenseitig beeinflussen. Hierfür werden dem Epos drei Adaptionen aus Drama, Film und Fernsehtheater aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert gegenübergestellt. Die Studie bezieht theoretische Debatten der Gender Studies, Narratologie und Intersektionalität mit ein. Die Geschlechterentwürfe eröffnen subversives Potential, entwerfen neue Handlungsspielräume und lassen typisierte Muster der Geschlechterdifferenz brüchig werden.
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1. Einleitung: HeldenGeschlechtNarrationen

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← 8 | 9 → 1 Einleitung: HeldenGeschlechtNarrationen

Für wunder sol manz immer sagendaz sô vil helede wart erslagenvon eines wîbes zorne.1

In der vorliegenden Untersuchung werden kulturhistorisch differente Bearbeitungen des Nibelungen-Stoffs vom Mittelalter bis zur Gegenwart einander vergleichend gegenübergestellt, um eine Verhältnisbestimmung von gender und Narration zu präzisieren.2 Hierbei stehen die Fragen im Zentrum, wie sich erstens gender- und medienspezifische Herstellungsund Darstellungsprozesse gegenseitig beeinflussen, welche Bedeutungen dabei zweitens intersektionale Differenzmarkierungen erhalten und welche Transformationen sich drittens im diachronen Vergleich der Bearbeitungen abzeichnen. Die Konstruktion der Geschlechterentwürfe wird im Folgenden in einem Interdependenzverhältnis zu ihrer jeweiligen medialen Darstellungsform betrachtet, da diese nicht nur gesellschaftliche Vorstellungen davon repräsentiert und reflektiert, was unter Weiblichkeit und Männlichkeit in einem bestimmten kulturhistorischen Kontext verstanden wurde, sondern diese stattdessen in einem fiktionalen Möglichkeitsraum auch selbst produziert. Da sich hierbei die Gestaltungs- und Herstellungsformen von ‚Geschlecht‘ und Narration überlagern, bietet eine Verbindung beider Ansätze eine produktive Perspektive, um die Nibelungenlied-Bearbeitungen vergleichend zu betrachten.3

Der Titel HeldenGeschlechtNarrationen ist dabei mehrdeutig angelegt, denn er eröffnet unterschiedliche Lesarten. Diese verweisen zum einen auf die Vielfältigkeit des Untersuchungsgegenstands und beziehen zum anderen die Überkreuzung der Analyseebenen ein.4 Bezug nehmend auf die bekannte Prologstrophe des Nibelungenliedes5 und auf das vorangestellte Zitat aus der Klage sollen einführend einige dieser Deutungsebenen aufgerufen ← 9 | 10 → werden. Die erste Lesart bezieht sich auf das Heldengeschlecht,6 das in der Prologstrophe der Nibelungenlied-Handschriften A und C als gattungsdeterminierende Bezugsgruppe...

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