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HeldenGeschlechtNarrationen

Gender, Intersektionalität und Transformation im Nibelungenlied und in Nibelungen-Adaptionen

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Susanne Schul

Das Nibelungenlied zählt zu den bekanntesten Texten des Mittelalters. Seine Bedeutung für die europäische Heldenepik spiegelt sich auch in den vielfältigen Adaptionen wider, die den Stoff bis heute in Erinnerung halten. Die Studie geht dieser andauernden Faszination nach und fragt aus einer medienkomparativen Perspektive, wie sich gender- und narrationsspezifische Darstellungsformen gegenseitig beeinflussen. Hierfür werden dem Epos drei Adaptionen aus Drama, Film und Fernsehtheater aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert gegenübergestellt. Die Studie bezieht theoretische Debatten der Gender Studies, Narratologie und Intersektionalität mit ein. Die Geschlechterentwürfe eröffnen subversives Potential, entwerfen neue Handlungsspielräume und lassen typisierte Muster der Geschlechterdifferenz brüchig werden.
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4.2 von küener recken striten muget ir nu wunder hoeren sagen: Narrative Konstruktionen männlicher Heldenhaftigkeit

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Männliche Helden, ihre kämpferischen Fähigkeiten und ihre schicksalhaften Taten, so berichtet es die Prologstrophe des mittelhochdeutschen Nibelungenliedes, gelten als eines der zentralen Handlungsmuster heldenepischer Texte.1

Uns ist in alten maeren wunders vil geseit:von heleden lobebaeren, von grozer arebeit,von freude und hochgeciten, von weinen unde klagenvon küener recken striten muget ir nu wunder hoeren sagen.2

Heroische Männlichkeiten und ihre medialen Entwürfe eröffnen aufgrund ihres häufig normüberschreitenden Verhaltens ein Spannungsverhältnis zwischen rezeptionsgelenkter Erwartungshaltung, intradiegetischen Normierungsprozessen und narrativen Strukturen, so dass sie für eine intersektionale Analyse prädestiniert erscheinen. Klaus von See konstatiert: „Die Vorstellung vom Helden, das Bedürfnis nach Heldenruhm und Heldenverehrung, ist […] ein nahezu universales Phänomen“3, so dass die ‚Spielregeln‘, denen diese Figuren zu entsprechen haben, als bekannt vorausgesetzt werden könnten.4 Doch im Gegensatz dazu stellt sich im diachronen Vergleich wiederholt die Frage, was denn eigentlich den Held zum Helden ‚macht‘.5 Siegfrieds Männlichkeitsentwurf geht demzufolge zwar als ein Modell des prototypischen Heros in das „kulturelle Gedächtnis“6 ein, doch gilt es zu überprüfen, welche ← 290 | 291 → gender- und genrespezifischen Zuordnungsmuster sein Heldenbild in den medialen Bearbeitungen des Nibelungen-Stoffs eigentlich herstellen.7

Episches Erzählen von helden heißt im Nibelungenlied – und hierhin verweist die Prologstrophe bereits programmatisch auf die anschließenden Handlungsmuster – von männlichen Figuren in außergewöhnlichen Situationen zu berichten, die sich durch auffällige körperliche, geistige oder moralische...

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