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HeldenGeschlechtNarrationen

Gender, Intersektionalität und Transformation im Nibelungenlied und in Nibelungen-Adaptionen

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Susanne Schul

Das Nibelungenlied zählt zu den bekanntesten Texten des Mittelalters. Seine Bedeutung für die europäische Heldenepik spiegelt sich auch in den vielfältigen Adaptionen wider, die den Stoff bis heute in Erinnerung halten. Die Studie geht dieser andauernden Faszination nach und fragt aus einer medienkomparativen Perspektive, wie sich gender- und narrationsspezifische Darstellungsformen gegenseitig beeinflussen. Hierfür werden dem Epos drei Adaptionen aus Drama, Film und Fernsehtheater aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert gegenübergestellt. Die Studie bezieht theoretische Debatten der Gender Studies, Narratologie und Intersektionalität mit ein. Die Geschlechterentwürfe eröffnen subversives Potential, entwerfen neue Handlungsspielräume und lassen typisierte Muster der Geschlechterdifferenz brüchig werden.
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4.3 Waz half sîn grôziu sterke unt ouch sîn grôziu kraft: (Re-)Präsentationen genderspezifischer Gewaltnarrative

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In der Geschlechterforschung gehören Analysen, die sich einer Verhältnisbestimmung der Kategorien ‚Geschlecht‘, Gewalt und Macht zuwenden, zu den klassischen Themengebieten.1 Hierbei werden vor allem Fragen zu Strukturen und Formen von Gewalt untersucht; der Fokus richtet sich dabei allerdings besonders auf eine Gewalt gegen Frauen.2 Diese ← 366 | 367 → genderorientierten Analysen haben dazu beigetragen, Gewaltformen auf ihre manifesten und latenten Ausprägungen sowie auf personale und strukturelle Dimensionen hin zu prüfen und dabei geschlechtsbezogene Codierungen freizulegen.3 Während sich die feministischen Untersuchungen vor allem männlichen Täter- und weiblichen Opferrollen sowie struktureller Gewalt als zentralem Bestandteil einer patriarchalen Geschlechterordnung zuwenden, nehmen neuere Studien auch Frauen als Gewalt ausübende und Männer als Gewalt erfahrende Akteure in den Blick.4 Literatur- und medienwissenschaftliche Analysen untersuchen den Status von Gewalt in medialen Bearbeitungen und fragen aus einer Geschlechterperspektive nach ihrer Bedeutung für die Konstruktion von Geschlechterdifferenz, nach narrativen Darstellungsformen und genderbezogenen Gewaltpraktiken.5 Formen der Konstruktion, Ermöglichung und Regulierung von Gewalt sind dabei auch an die jeweiligen medialen Verfasstheiten und die narrativen Verfahren gebunden. Was jedoch als Gewaltform wahrgenommen und ob diese als legitime oder illegitime Gewaltanwendung bewertet wird, ist von den kulturellen Kontexten abhängig und historischen Wandlungsprozessen unterworfen.6 Eine diachrone Analyse muss sich aus diesem Grund mit den unterschiedlichen Bedeutungsebenen auseinandersetzen, die sich mit dem Begriff Gewalt verbinden. Denn im Gegensatz zum alltäglichen Sprachverständnis, das durch die Verwendung brutaler, körperlicher Gewalt bestimmt ist, bezieht sich der Begriff zunächst auf das mhd....

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