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Beiträge zu einer Geschichte der Translation

Vom Wirken bedeutender Dolmetscher und Übersetzer

Heidemarie Salevsky and Ina Müller

Das Buch befasst sich mit bedeutenden Dolmetschern und Übersetzern aus 5000 Jahren auf der Basis umfangreicher Recherchen in Archiven und Bibliotheken. Aus der Geschichte der Translation sind erstmals aufgearbeitet: die Dolmetscher im Alten Testament, die Rolle der Pfortendolmetscher im Osmanischen Reich, die Dolmetschermemoiren über die Kriegserklärung Deutschlands an die Sowjetunion am 22. Juni 1941 in der Gegenüberstellung mit neuen Dokumenten aus Archiven in Moskau und Washington sowie die Geschichte des Simultandolmetschens in der DDR. Gründlich beleuchten die Autorinnen die Tätigkeit der Russisch-Dolmetscher auf dem Nürnberger Prozess anhand schriftlicher und mündlicher Erinnerungen. Den Abschluss bilden Leben und Wirken der Übersetzer der ersten russischen Ausgabe des Kapitals von Karl Marx.
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I. Die Anfänge des Dolmetschens

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1 Aus der Geschichte des Dolmetschens im weltlichen Bereich1

Das Dolmetschen als mündliche Form2 der Vermittlung zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Sprachen gehört zu den ältesten Berufen und lässt sich bis ins 3. Jahrtausend v.u.Z. zurückverfolgen.

Zur Erleichterung der politischen und wirtschaftlichen Auslandsgeschäfte hatte sich in Ägypten bereits im Alten Reich3 (etwa 2700-2200 v.u.Z., die Angaben dazu differieren) der Stand der "Dragomane" oder Auslandsexperten herausgebildet, die neben den organisatorischen Expeditionsleitern, den "Schatzmeistern des Gottes" (Königs), die Reisen begleiteten. Die Grafen von Elephantine, denen die Beaufsichtigung des Verkehrs durch das "Südtor" Ägyptens anvertraut war, führten zur Zeit der 6. Dynastie mit Stolz den Titel "Vorsteher der Fremdländer" und "Vorsteher der Dragomane" (vgl. Gardiner 1915:124). Der Titel "overseer of all dragomans", wie ihn z.B. Pepinacht-Heqaib führte, kann als Anzeichen für eine Art Dolmetscherzunft gewertet werden. Diese "Vorsteher der Dragomane" wurden in der Nähe ihres Amtssitzes beigesetzt (vgl. Gardiner 1915:125).

In der ägyptischen Hieroglyphenschrift wird das Wort für den Dragoman mit einem groben Schurz mit zwei herunterhängenden Bändern dargestellt. Die ← 1 | 2 → se Bänder sollten wahrscheinlich gebunden bzw. verbunden werden (zu den verschiedenen Formen vgl. Gardiner 1915). Für diese Deutung beruft sich Gardiner (1915:118) auf M. Golenischeff (in: Zeitschrift für ägyptische Sprache vol. 45, 1908:85). Die Dragomane wurden als zur Klasse der Schreiber gehörig betrachtet.

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