Show Less
Restricted access

Beiträge zu einer Geschichte der Translation

Vom Wirken bedeutender Dolmetscher und Übersetzer

Heidemarie Salevsky and Ina Müller

Das Buch befasst sich mit bedeutenden Dolmetschern und Übersetzern aus 5000 Jahren auf der Basis umfangreicher Recherchen in Archiven und Bibliotheken. Aus der Geschichte der Translation sind erstmals aufgearbeitet: die Dolmetscher im Alten Testament, die Rolle der Pfortendolmetscher im Osmanischen Reich, die Dolmetschermemoiren über die Kriegserklärung Deutschlands an die Sowjetunion am 22. Juni 1941 in der Gegenüberstellung mit neuen Dokumenten aus Archiven in Moskau und Washington sowie die Geschichte des Simultandolmetschens in der DDR. Gründlich beleuchten die Autorinnen die Tätigkeit der Russisch-Dolmetscher auf dem Nürnberger Prozess anhand schriftlicher und mündlicher Erinnerungen. Den Abschluss bilden Leben und Wirken der Übersetzer der ersten russischen Ausgabe des Kapitals von Karl Marx.
Show Summary Details
Restricted access

III. Berichte russischer und deutscher Dolmetscher über den 22. Juni 1941 (Dolmetschermemoiren als historische Quelle)

Extract

1

1Einleitung

In Russland gab und gibt es zum Zweiten Weltkrieg – und besonders zum Großen Vaterländischen Krieg – nicht nur unterschiedliche, sondern geradezu gegensätzliche Wahrnehmungen und Darstellungen. Neuere Arbeiten verfügen über eine bedeutend erweiterte Quellenbasis und sind frei(er) vom ideologischen Diktat früherer Jahrzehnte (vgl. z.B. die Memoiren von Žukov in der Ausgabe von 1990 im Unterschied zu früheren Auflagen). Es scheint daher angebracht, auch die Memoiren von Dolmetschern im Lichte der durch die Öffnung der Archive in Moskau und Washington gewonnenen neuen Erkenntnisse zu betrachten, denn Letztere konnten in den früheren historischen Darstellungen (wie z.B. in Boog/Förster/Hoffmann/Klink/Müller/Ueberschär 1983) nicht enthalten sein. Etliche ungeklärte Ereignisse, ihre Ursachen und Entstehungsprozesse warten noch immer auf eine gründliche Aufarbeitung.

Hinzu kommt das subjektive Moment: Die selektive Wahrnehmung des Einzelnen ist durch das kollektive und das kulturelle Gedächtnis (im Sinne Assmanns 52005) geprägt. Für die Selektion wie für die Speicherung spielen kultursoziologische, historische und ideologische Vernetzungs- und Übertragungsprozesse eine entscheidende Rolle, insbesondere mit Blick auf die Legitimation für die jeweilige Sichtweise auf Geschichte.

"Der Modus der biographischen Erinnerung […] beruht stets […] auf sozialer Interaktion." (Assmann 52005:52) Für die Bezüge zur Gegenwart geht es dabei nicht nur um bestimmte gespeicherte Aspekte, sondern vor allem um den "Selektionsapparat" (vgl. Posner 1992:47). Zu den Erinnerungen an Kriegs- bzw. Umbruchzeiten gehört auch das Verhältnis zwischen Siegern und Besiegten.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.