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Grammatische Untersuchungen zur Sprachkompetenz Karls V. und Ferdinands I. anhand der Familienkorrespondenz Ferdinands I.

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Bernadette Hofinger

Die Familienkorrespondenz Ferdinands I. gilt als besonders reichhaltige Quelle für die Erforschung der politischen Geschichte der Frühen Neuzeit. Liegt das Hauptinteresse an ihr naturgemäß im Hinblick auf einen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt, so hält sie aber auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht einen reichhaltigen Fundus an höchst interessantem Datenmaterial bereit. Dieser reicht von Aspekten frühneuzeitlicher Fremdsprachenkompetenz über Sprachinterferenzen bei vorhandener Mehrsprachigkeit bis hin zu Fragen des Sprachwandels und seiner grammatiktheoretischen Implikationen. Mittels einer umfangreichen linguistischen Auswertung des vorhandenen Datenmaterials werden diese Themenbereiche sowohl synchron als auch diachron genauer untersucht und analysiert.
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4 Zur Sprachkompetenz des Französischen Karls V. und Ferdinands I. – eine empirische Untersuchung

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Eine Untersuchung zur Sprachkompetenz für die Phase des späten Mittel- bzw. Frühneufranzösischen ist zweifelsohne ein schwieriges Unterfangen. Zunächst kann von einer einheitlichen Orthographie im 16. Jahrhundert noch nicht gesprochen werden. Das Mittel- bzw. Frühneufranzösische ist in Ermangelung geltender Graphienormen zunächst den diesbezüglich kontroversiellen Bemühungen entsprechend sowohl durch eine – mitunter äußerst approximativ – phonetische, als auch durch eine etymologisch basierte Schreibung gekennzeichnet. Bevor sich letztere aufgrund des Buchdrucks und der sich in Frankreich zu etablieren beginnenden Lexikographie gegen die phonetisch orientierten Orthographievorschläge am Ende des 16. bzw. zu Beginn des 17. Jahrhunderts zusehends durchsetzt, existiert zwischenzeitlich eine Bandbreite unterschiedlicher Schreibweisen, die sich teilweise doch noch deutlich von denen des modernen Französischen unterscheiden. Betroffen davon sind naturgemäß die Graphie lautlicher Charakteristika des Mittel- bzw. Frühneufranzösischen (hier im Besonderen hinsichtlich der Nasalierung von Vokalen) sowie die Schreibung s vor Konsonant bei reetymologisierten Lexemen.

Darüberhinaus zeichnen sich auch Varianten (morpho)-syntaktischer Natur ab, die von veränderlichen Wortstellungsmustern bis hin zu unterschiedlichen Partizip-Perfekt-Bildungen einzelner Verben reichen. Die augenfälligsten sprachlichen Eigenschaften des Briefmaterials sollen im Folgenden für die Bereiche Orthographie und Grammatik nun näher untersucht und präsentiert werden, wobei der Versuch unternommen wird, Rückschlüsse auf die jeweilige Sprachkompetenz der beiden Korrespondenzpartner zu ziehen. Zuvor erfolgt eine kurze Darstellung der wesentlichen und im Hinblick auf das Datenmaterial relevanten Charakteristika des Mittel- bzw. Frühneufranzösischen.

4.1 Zu den allgemeinen...

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