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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Mia gegen den Rest der Welt. Zu Juli Zehs Corpus Delicti

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Henk de Berg

In ihrer Studie zur Krise der Utopie in der deutschen Gegenwartsliteratur aus dem Jahr 1993 bemerkt Joanna Jabłkowska: „Die Behauptung, daß gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Formulierung sozialer Utopien zugleich die Probleme, die sich mit der Verwirklichung utopischer Programme verbinden können, deutlich geworden sind und daß seitdem die Antiutopie die traditionelle Utopie ersetzt, wäre eine Platitüde.“1 Diese Feststellung hat immer noch Gültigkeit: Auch im 21. Jahrhundert dominiert in der zukunftsorientierten fiktionalen Literatur bislang „nicht [...] das Utopische, sondern das Dystopische.“2 Im Mittelpunkt der folgenden Überlegungen nun soll ein vor wenigen Jahren erschienener, seiner zeitdiagnostischen Weitsicht wegen hoch gelobter Roman stehen, der sich mühelos in diesen Trend einordnen lässt: Juli Zehs Corpus Delicti. Ein Prozess (2009).3 Dabei geht es indessen nicht so sehr – wie bei Joanna Jabłkowska – um eine teils immanente, teils gattungsgeschichtlich orientierte Werkinterpretation als vielmehr um die Sichtbarmachung der Corpus Delicti strukturierenden Ideologeme. Ziel ist mit anderen Worten die Erfassung der sozialphilosophischen Bausteine des Romans bzw. der ideologischen Überzeugungen des impliziten Autors (im Sinne Wayne C. Booths).4 Obwohl diese Lektüre selbstverständlich vom Text ausgeht, ist ihre Stoßrichtung weniger literatur- als kulturwissenschaftlicher Natur: Auf der Basis der Annahme, der zufolge die futuristische Literatur mehr über ihre Entstehungszeit als über die Zukunft aussagt,5 ← 25 | 26 → richtet sich das Interesse der nachstehenden Überlegungen auf den Beitrag von Corpus Delicti zum Verständnis der Gegenwart bzw., wenn man so...

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