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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Der Leib, die Erinnerung und das Vergessen

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Volker Caysa

1. Empraktische Erinnerung macht Geschichte

Die Leibhaftigkeit der Erinnerung ist historisch gesehen schon von anderen Autoren thematisiert worden, wird aber im modernen Gedächtnisbegriff allzu oft vergessen, was eine intellektualistische Verkürzung des Erinnerungsbegriffes in der Moderne zur Folge hat. Das Gedächtnis ist daher für uns Moderne, egal ob es nun in rhetorischer, historischer oder psychologischer Form auftritt, ein konstruktiv-gnoseologischer Begriff und wird grundsätzlich performativ aufgefasst.

Ganz in diesem Sinne bezeichnet Aleida Assmann Gedächtnis „als Kollektivbegriff für angesammelte Erinnerungen, als Fundus und Rahmen für einzelne memoriale Akte und Einträge.“1 Der Erinnerungsbegriff wird dadurch aber gnoseologisch verkürzt und seine grundlegende leibontologische Dimension bestenfalls als Phänomen in der Existenz des Individuums am Rande erwähnt.2 Oder aber die leibzentrierte Erinnerung wird als mystische Erfahrung, als das ‚Andere der Erinnerung“, „als die passive, rezeptive, mystische, man könnte auch sagen: die ‚weibliche‘ Gegenseite zur ‚männlichen‘ Kraft der Imagination“, die unkontrollierbar, unvermutet, unberechenbar auftritt, gebrandmarkt und konzeptionell marginalisiert.3 Die Leiblichkeit der Erinnerung wird dadurch in der Tendenz auf Geschlechtlichkeit reduziert.

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