Show Less
Restricted access

Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

Series:

Edited By Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
Show Summary Details
Restricted access

Die Sittlichkeit des Künstlers: Frank Wedekinds Kunstbegriff im Licht seiner Musik-Inspirationen

Extract



Joanna Firaza

Die bekanntesten, kanonisch gewordenen Dramen Frank Wedekinds vermitteln das Bild eines Autors des Profanen, der nie müde wurde, die Prüderie im wilhelminischen Kaiserreich anzuprangern. Es sei nur auf das Thema der repressiven, die Persönlichkeitsentfaltung verhindernden Erziehung der Jugendlichen in Frühlings Erwachen verwiesen, oder die Konstruktion der Weiblichkeit in der Doppeltragödie Lulu, wo die Titel-Figur in Opposition zur bürgerlichen Ordnung als Natur per se fungiert. Mit diesem Image kollidiert allerdings eine ganz andere Vorstellung, die bereits unter den Zeitgenossen anzutreffen war – nämlich die von Wedekind als einem Moralisten1: Laut Willy Haas soll Wedekind im Gespräch mit Franz Blei über Erotik alle Anwesenden ins Staunen versetzt haben, als er sich auf Immanuel Kant als „einen einzigen wirklichen Kenner der Frauen“ berief. Der „extremste Immoralist“ habe hier dem „extremsten Moralisten und zugleich unerbittlichsten Denker“ die Hand gegeben.2 In einer Rede zu Wedekind-Gedenktagen, gesprochen im Münchner Schauspielhaus am 13. März 1928, würdigt Heinrich Mann den vor zehn Jahren verstorbenen Autor als „Moralisten“ und „sittlichen Kämpfer […] um Menschenwürde“.3 In der Nachfolge Ibsens stellt Wedekind nach Mann die „bürgerlichsten Formen“ in den Dienst der Zersetzung der bürgerlichen Moral, wobei er allerdings nicht auf die Entlarvung der Lebenslüge allein aus ist, sondern selbst eine Moral vertritt, die heißt: „Vergeistigt das Leben!“4 In dieser Parole, die auf Wedekinds frühes Konzept der Vergeistigung des Fleisches rekurriert,5 wird die Moral nicht materiell sondern...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.